Stadtkirche zu Michelstadt/Odw.

Ein höchst privates Orgelkonzert.

Ein wunderschöner Sommertag kündigte sich Ende August an. So reifte der Entschluß zu einem Kurztrip mit dem Motorrad. In den Odenwald.
Wie wäre es mit Michelstadt? Prima! Da gibt´s neben dem Flugplatz auch jede Menge Fachwerk zu begucken. Vielleicht fällt ja auch für Qype etwas ab.
Als wir mit mittlerer Mot-Marsch-Geschwindigkeit so durch den Odenwald cruisten, war von der sommerlichen Hitze in den Städten nicht mehr viel zu spüren. Die schon längeren Schatten des frühen Nachmittags spendeten in Zusammenarbeit mit dem Fahrtwind eine kleine Erfrischung beim Fahren.
Parkplatzsuche war denkbar einfach. Auf dem riesigen Gelände in der Nähe der Altstadt (Bienenmarkt, Weihnachtsmarkt u.s.w.) fanden wir ein schattiges Plätzchen. Kamera nicht vergessen und die Exkursion Richtung Altstadt konnte losgehen. Jeder Touri kennt das Foto vom alten Rathaus in Michelstadt. Das war auch auf unserem Plan notiert. Auf dem Wege dorthin gab es eine ganze Reihe von lohnenden Motiven,

(alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden. Zurück mit <.  )


die sich sicher auch in der Gruppe deutsche Fachwerkstraße prima platzieren ließen.

Bei der „Umgehung“ des Rathauses


wurde ich von der imposanten Stadtkirche abgelenkt.
Die schwere Tür des Portals stand offen. Trotz einer weiteren Tür im Inneren war nicht zu überhören, dass sich da jemand an der Orgel zu schaffen machte. Wir traten ein und unsere Augen mußten sich erst einmal an das gedämpfte Licht in der Kirche gewöhnen.

Die Kirche war leer. Kein Stuhl war besetzt, kein Asiate mit Foto, der emsig herumknipste. Nach einem kurzen Augenblick der Ruhe setzte die Orgel wieder ein und mein Blick ging unwillkürlich nach oben.

War das eine prächtige Orgel, die da so hervorragend gespielt wurde. Minutenlanges Verharren. Ich wagte kaum zu atmen, so zog mich die Musik in ihren Bann.

Ein Genuss für Ohr und Auge. Ein Gefühl von Wohlbefinden stellte sich ein. Und das war keineswegs nur auf die sehr angenehme Temperatur in der Kirche zurückzuführen.
Die Bässe der Orgel sorgten für eine Vibration am ganzen Körper. Irgendwann bemerkte ich aber doch, dass vor lauter Aufmerksamkeit für die Musik, meine Kamera schon in den Standby-Betrieb umgeschaltet hatte.

Einige Stücke klassischer Kirchenmusik später raffte ich mich auf und musste feststellen, dass die Beleuchtung durch die tiefer stehende Sonne nicht mehr ausreichte, um stimmungsvolle Fotos –ohne Blitz- zu schießen. Kein Stativ, kein Blitz. Na, kommt auf einen Versuch an.

Begleitet von der Orgel begann ich meinen Rundgang und versuchte noch einige akzeptable Fotos zu bekommen.

Auf diese Kirche, diese Orgel und die Übungsstunde des 22-jährigen Organisten war ich nicht vorbereitet.


Dieses Orgeltraining geriet zu einem grandiosen Konzert. Ein völlig privates Konzert, das in der leeren Kirche eine ganz eigene Resonanz hatte. Langsam stieg ich die hölzernen Stufen zur Orgel hinauf.

Leise, damit das Spiel des Virtuosen nur nicht gestört werde. Aber der war so in seine Noten vertieft, dass er erst beim Umblättern –aus den Augenwinkeln- Notiz von mir nahm. Er brachte das Stück bravorös zu Ende.
Vielen Dank für das kurze Gespräch und das beeindruckende Privatkonzert.

Wieder vor der Kirche

fuhr hinter uns ein VW-Polo mit offenen Fenstern vorbei. Der Jüngling wollte die Passanten an seiner Art Musik auch teilhaben lassen. Bumm, bumm, bummmm“ so dröhnte die ganz Karosse und die Stoßstange schepperte im Takt. Er entlockte mir nur ein mitleidiges Lächeln. „Wenn du ´mal einen richtigen, echten Bass hören und fühlen willst, hätte ich eine feine Adresse für dich!“
Ich bin nun nicht der große Experte, um die Geschichte dieser Kirche bis ins Detail wiederzugeben. Dazu haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht und im Internet veröffentlicht. Wer den Hintergrund der Kirche und der Orgel genauer kennen möchte, dem sei der Internetauftritt der Stadtkirche Michelstadt empfohlen. Dort wird man auch fündig, wenn man ein Orgelkonzert (sicher nicht so privat, wie in diesem Fall) besuchen möchte.

Ein sehr beeindruckender Besuch, auch wenn das Eigentliche unseres Ausfluges dabei ins Hintertreffen geriet. Der Beitrag für die Fachwerkfans ist etwas mager ausgefallen. Man möge mir das nachsehen.