Grand Schnickschnack

Alles begann an einem friedlichen und sonnigen Samstag Morgen Anfang November gegen 9:00 Uhr. Noch im Schlafanzug und mit Hausmantel bekleidet ließ ich mir die zweite Tasse duftenden Kaffee schmecken. Die Pläne für das Wochenende waren schon vorbesprochen und warteten auf die detaillierte Realisierung. Hunde Gassi gehen, Einkäufe erledigen, die Reifen für den bevorstehenden Wechsel auf Winter schon ´mal freilegen und so war ganz schnell der Tag eigentlich schon verplant. Vielleicht blieb da ja auch noch ein bisschen Zeit für einen Ausritt mit dem Moped? Das Telefon schreckte die ganze Familie hoch. Meine Frau ging ran, denn wer sollte auch mich schon um diese Zeit anrufen- so mitten in der Nacht?
Meine Frau: ” Guten Morgen XY” ……. “Bitte noch ´mal”……….. “und wo stehst du?”………..

……………..”ach, weißt du was, sprich doch selbst mit ihm….!”

Und schwupps, hatte ich das Schwätzgerät auch schon am Ohr. Auf der anderen Seite der Herr Schwiegersohn! Mitten in der Nacht!
“Moin, moin, mein Lieber, gibt´s was Schönes?”

“Nö, leider nicht. Ich hätte da gerne mal ein Problem. Mir ist der Sprit ausgegangen und hänge zischen A und B auf der Umgehungsstraße fest.”
Ach, technisch interessiert scheint er auch zu sein. Wie hätte er sonst gleich auf einen leeren Tank tippen können. Egal. Ihm sollte geholfen werden. Kaffee abgestürzt, (eigentlich war ich ganz froh, dass ich zumindest das Einkaufen verpassen würde. So ein Ärger aber auch !) Bad durchlaufen und Rettungsfahrzeug auf Einsatzbereitschaft überprüft. Auf die Sichtkontrolle und Outsidecheck hatte ich aus Zeitgründen verzichtet. Der prüfende Blick beschränkte sich auf das, was der Bordcomputer ohnehin zu melden hat. Ganz neu in meinem pre flight-check war die Sichtung der Tankanzeige!

Wenige Minuten später rollte mein Fahrzeug an der Zapfsäule einer High-Tech-Tankstelle aus. Einen Reservekanister hatte ich schon zur Hand als ich mich einer echten Herausforderung gegenüber sah. Das Angebot an Dieselkraftstoff war überwältigend. Das reichte von Diesel über Diesel plus zu Super- und Extra – Diesel. Ich entschied mich für eine mittlere Preislage “wird schon passen”, sinnierte ich so für mich.

Ui…. Waren das schnelle 5 ½ Liter! Fünf davon passten auch etwa in den Kanister. Mit dem vorwiegend als Schaum vorhandenen Rest hatte ich Hände, Kanister, Hosen und meine nagelneuen Salonpumps parfümiert. Gleich danach entdeckte ich auch die kostenlosen Schutzhandschuhe für Diesel-Reserve-Kanister-Auffüller. Ich entschied mich das Angebot anzunehmen -auch wenn es jetzt erst einmal zu spät kam-  und griff gleich zwei Mal zu. Man kann ja nie wissen….! Bezahlen und los geht´s. Die Hilfe für den Renault Gran Espace war unterwegs. Und die für den Schwiegersohn auch.
Bald war die Umgehungsstraße erreicht und fast bis zum Ende durchfahren, als am anderen Ende und auf der Gegenfahrbahn das gesuchte Fahrzeug in Sicht kam. Der große Renault Espace parkte auf unbefestigtem Grund, aber zumindest nicht auf der Fahrbahn. Einige Sekunden später hatte ich für ein zackiges Wendemanöver ausreichend Platz und eine Lücke im Verkehrsfluss tat sich auch auf. 180 Grad-Wende (Es kann aber auch eine Halse gewesen sein) und nach 200 Meter war der Havarist erreicht. Warnblinker an und los ging´s . Schutzhandschuhe überstülpen! Kanister mit Füllstutzen versehen und dann gut Schluck. Schwiegersohn eher kleinlaut im Hintergrund:” Weißt du wie man einen Diesel entlüftet, wenn er ´mal leer gefahren ist?” Mir war da noch eine Geschichte in Erinnerung, die mich während meiner 18-monatigen Karriere als Gefreiter bei der Bundeswehr mit einem MAN (gefühltes Baujahr 1955) ereilte. Das hatte damals geschlagene 4 Stunden gedauert ( bis der Werkstatt endlich da war. ) Und das ganze nur, weil mein 16 to – Kommandowagen einfach nur von der mobilen Spritversorgung vergessen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall ist mir nach diesem Malheur in den folgenden 2,4 Mio selbst gefahrener Kilometer auch nicht annähernd noch einmal der Sprit ausgegangen. Und obwohl der Vater meiner Enkel ( man nennt ihn auch den „Enkelmacher“ ) auch gedient hat, scheint er mit solch komplizierten, technischen Vorgängen nicht viel am Hut zu haben.

Aber so kompliziert, wie bei ist das heute alles nicht mehr. Eine kleine Handpumpe (Blasebalg-ähnliches Anbauteil) war bald gefunden und einige Male gedrückt.” So, jetzt versuch´s mal!”
“KLACK”

“Klack”
“klack”

Dann war es ruhig. Sehr ruhig!

„Was ist? Nochmal!“

„klack“ kam es zurück.

Eine böse Vorahnung überkam mich. War da vielleicht die Multimediaanlage im Grand-Schnickschnack schuld ? AC-DC oder Metallica könnten mit den benötigten 300 Watt schondafür gesorgt haben, dass es der Batterie nicht mehr so richtig gut ging. Galt es doch die Wartezeit auf den Werkstattwagen zu überbrücken. Einen fragenden Blick musste er sich schon gefallen lassen. Leer! Völlig ausgelutscht! Wortlos wussten wir beide, was nun folgen musste. “O.k., ich hole das Überbrückungskabel, lass du inzwischen das Radio aus!”

Auf der Fahrt nach Hause und auf der Strecke zurück hatte ich mindestens 5 Mal pro Strecke die Tankanzeige anvisiert. Sie bewegte sich keinen Millimeter. Sollte das Ding vielleicht defekt sein? Ich verwarf den Gedanken an eine Blamage und setzte den Rettungsflug fort. 45 Minuten später war ich wieder zurück und parkte nun Front gegen Front, um den Saft, der Leben einhauchen sollte, übertragen zu können. “Rot auf Plus ! Der Rest ergibt sich.” “KLACK, KLACK”. Ein gewisser Fortschritt war zu spüren. “KLACK KLACK, KLACK”
“KRRRR..brumm, bruummm…“. Und der Motor des Grand-Schnickschnack lief. Das Auto selbst aber noch lange nicht! Nachdem die Verbindung wieder gekappt war, hatte S. vergeblich versucht die elektronisch verriegelnde Feststellbremse zu lösen. Da waren “Ding” und “Dong” mehrfach aus dem Wageninneren zu hören. Das Signalglöckchen “Ding” ging einher mit einer eiligen Anzeige „Feststellbremse defekt“ auf dem Display. Schon ziemlich unterhaltsam so ein Renault, dachte ich mir. “Ding”, Ding”, Ding”….. Beam me up, Scotti!

Wer immer auch die Idee hatte weiß ich nicht mehr, aber erneut kamen die Nabelschnüre an den Grand-Espace. Obwohl der Motor ja schon und noch immer lief. Und nach der erneuten Infusion von zusätzlicher Energie gab sich die Elektronik im Franzmann geschlagen und die Bremse erst einmal frei.

Einpacken! Das war´s. “Halt: bevor ich das vergesse: hier ist ein Ladegerät zur gefälligen Verwendung.” Husch und er war weg. Ich folgte mit meiner asiatischen Billigvariante des Grand-Schnickschnack in respektvollem Abstand aber nicht ohne ein winziges Gefühl von Überlegenheit. (Sie dürfen jetzt gerne mit mir die erste Strophe der süd-koreanischen Nationalhymne singen! Die Partitur finden Sie im Internet.

1. Strophe

동해 물과 백두산이 마르고 닳도록
하느님이 보우하사 우리나라 만세
Refrain

무궁화 삼천리 화려강산
대한사람 대한으로 길이 보전하세

Und wie es halt sein sollte, die Einkäufe waren schon erledigt als ich mit meinem Streitwagen wieder zu Hause vorfuhr. Allerdings vermisste ich doch die erwarteten Ovationen. Sei es, wie es war, mir konnte das sanftmütige Lächeln an diesem Tage niemand mehr nehmen. Auch wenn die Winterräder noch immer auf mich warteten. Zeit für eine mittlere Motorradexkursion war auch noch. Und ob Sie es glauben oder nicht, ich kontrollierte erst einmal die Tankanzeige. Ich glaube das Grinsen hat mir den Helm etwas verbreitert.
Als der Tag sich neigte, kam der Lohn für die Frühsport-Aktion. Eine Einladung für das Sonntagsmenü. Alle Achtung, der Mann hat Stil – und einen Grand-Schnickschnack.

Ein Lokal mit eindeutig alpiner Einrichtung war das Ziel ( = Almhütte – Mitten in Hessen ).
Die Anreise erfolgte mit 2 Vans, die auch beide recht gut besetzt waren. 4 Enkel – in Worten : vier – brauchen schon ein Van_sinns Auto. Dabei ging mir durch den Kopf: „ Ist der Espace eigentlich nun ein 6 – oder gar ein 7- Sitzer ?“
Auf der anderen Seite mein abgespeckter 6-Sitzer nur mit einer eingebauten 4-er Bestuhlung. Die zwei Schlammspringer „ Sally“ und „Alice“ fordern halt auch ihren Tribut. ( für Unwissende: Sally und Alice sind Golden Retriever. Eigentlich sind sie in die Kategorie Hund einzuordnen. Reinrassig, treu, spaßig, kinderlieb sind nur einige Eigenschaften, die man der Rasse nachsagt. Es gibt aber auch genetische Macken, die gerne von den Züchtern verschwiegen werden. Neben Ihrer Schmusesucht und einem gnadenlosem Streichelverlangen wären da Ihre Vorlieben noch zu erwähnen. Dazu zählen zum Beispiel ausgiebiges Baden in Teichen, Baden in Flüssen, Baden in Seen, Bächen, Pfützen, Tümpeln, Morast, Schlammlöcher, reißenden Gebirgsbächen, Stillgewässer ( – auch stehendes Gewässer genannt- werden besonders wegen ihres sehr besonderen Duftes gerne genommen ) , Wildwasser-Kanustrecken, Moor, Brackwasser an der Ostsee und notfalls, aber nur notfalls ist man ja auch schon einmal mit nassem Gras zufrieden. Die Liste ist mehrfach länger, als es die Aufmerksamkeitsschwelle zulässt. Eines sei aber noch erwähnt: die Kuhlen von Wildscheinen. Das Aroma ist unvergleichlich. Deshalb also auch für uns ein Auto mit viel Platz und noch mehr Luft. (Wellness für Golden Schlammspringer)

Also zurück zur Anreise zur ALMHÜTTE. Da mein Aldi-Navigationssystem schon etwas in die Jahre gekommen ist, meldete die junge Frau erst 2 bis 3 Häuser später, dass das Ziel erreicht sei. Und immer dann, wenn man es gar nicht gebrauchen kann, bricht in der Altstadt von DA-Eberstadt- plötzlich das Verkehrschaos los. Also auf eine gute Gelegenheit zum Wenden warten . Dem Hintermann noch signalisieren, dass der Parkplatz der ÖSIS nur durch eine zackige Kehrtwende zu erreichen sei. Bleibt zu erwähnen, dass der Rest des beschaulichen Städtchens nur aus Einbahnstrassen besteht. Eine einfache links, links, links- oder rechts, rechts, rechts – Kombination wäre also nicht möglich gewesen. Das Problem bei meinem Koreaner ist der Wendekreis, wenn man es überhaupt so bezeichnen darf. Wenn ich noch einmal einen militärischen Vergleich bemühen darf: mit meinem MAN – Kommandowagen mitsamt Hänger hätte ich die 180° sicher mit weniger Rangiermanövern umsetzen können als mit dem fernöstlichen Faschingsprinzen.(er nennt sich selbst “Carnival”) High-Noon war vorüber, als die Einfahrt zum Parkplatz rechts vor mir auftauchte. Rechts ab. Hart rechts ab! Blöde gemacht, dachte ich, als auf der Beifahrerseite direkt am Hauseck ein Zigarettenautomat auftauchte. So eine Allradlenkung wäre jetzt eine feine Sache. Aber es ging. Mein Unterlegkeil zuckelte am Glimmstengelspender auf der einen und am Gartenzaun auf der anderen Seite souverän mit 4 cm Abstand vorbei. Das nächste Hindernis lies aber überhaupt nicht auf sich warten. In Gestalt einer Stahltüre, die sich sanft im Winde wiegte stellte es sich uns entgegen. „Liebling, kannst du vielleicht das unentschlossene Dingens festhalten, bis wir vorbei sind?“ Gefragt – getan. Die Tür war gefixt und der Kia in null Komma nix eingeparkt.

Aussteigen und Hunde erst einmal kurz verschnaufen lassen…… Aber so weit kam es nicht. Noch hatte ich die Tür nicht zugeschlagen, als von der Hofeinfahrt her ein recht vernehmliches Tohuwabohu ausbrach. Rufe, Schreie, und Geplärre waren zu vernehmen. Nur ein paar Schritte und der Parkplatz gab den Blick auf Chaos frei. Der Enkelmacher hatte trotz Grand Schnickschnack mit gutem Wendekreis den Zigarettenautomaten mit der rechten Partie seines Panzers getroffen. Nachdem feststand, dass niemand körperlich versehrt war, wurden alle Enkel aus dem Auto befreit. Nummer 1, Nummer 2, Quentin und Nummer 4.

Dann galt es sich des Schadens anzunehmen. Die Mädels waren mit den Kindern befasst, die schockiert und verwirrt beruhigt werden mussten. Inzwischen genossen es die Hunde einen mehr oder minder „gesperrten Parkplatz“ bespielen zu dürfen.
S = Schwiegersohn hatte das Telefon am Ohr und laberte schon seit Minuten auf irgend einen armen Kerl ein. Sonntag um kurz nach 12 ! „Das war der Versicherungstyp“ erklärte er. Dann quälte ich mich in einen recht engen Spalt zwischen Renault und Hauswand, um an den Automaten zu gelangen, der aus der Wand gerissen war und nun nur noch auf der Gürtellinie des Grand Schnickschnack ruhte. Das Teil war richtig schwer! S. stand auf der Straßenseite und versuchte das Teil dort abzufangen.

Irgendwie gelang das Schieben und Drücken sowie das um das Auto rumrennen und noch auf der anderen Seite mit anzupacken. Und da stand er nun. Da ich das Rauchen schon vor Jahren aufgegeben hatte, konnte ich dem Ganzen nix Positives abgewinnen. „So nun rufe ich noch den Betreiber des Automaten an und melde den Schaden” nahm ich S. die fällige, unangenehme Beichte ab.

Ich liebe es mit Anrufbeantwortern zu telefonieren. „ Guten Tag. Wenn Sie ein Problem mit einem Automaten haben, wählen Sie die 1.
Wenn die Zigaretten nicht schmecken, wählen Sie die 2 .

Wennn Sie….. „ also schnell die 1 gedrückt.
„Bitte tippen Sie die Nummer des Automaten ein, mit dem es das Problem gibt. ..“ 185356466.

„Wenn Sie keine Ware bekommen..haben wählen Sie 1,

wenn Sie kein Wechselgeld bekommen haben, wählen Sie 2……“
Und so ging das bis 14!

Glauben Sie etwa, die hätten eine Nummer für einen vom Grand Espace aus der Wand gerissenen Zigarettenautomaten vergeben? Nicht am Sonntag um 12:45 Uhr!
Aber irgendwie bin ich meine Nachricht doch los geworden. Inzwischen waren die Leute in BLAU ( vormals Grün ) angerückt. Nett und freundlich – alles was recht ist. Offenbar auch Nichtraucher, denn mein Angebot fifty:fifty haben sie ausgeschlagen. Statt dessen bemühte sich die freundliche Polizistin um ein Transportmittel für den 120 kg schweren Apparat. Mit einen Skateboard kam Sie zurück. “Will sie denn jetzt wirklich erst skaten?” fragte ich ihren Kollegen. Nein! Das Teil war für den Transport des Automaten gedacht. Etwas überladen war das Gefährt schon, als sich der Nikotinspender darauf herniedersenkte. Ächzen und Stöhnen bestimmten, neben unseren Kommandorufen die Akustik im Hof, wohin das Gefährt mitsamt Ladung verbracht werden sollte.
Das erinnerte mich wieder an eine Story bei der Bundeswehr. Als ich …….. Lassen wir das.Zurück nach DA-Eberstadt dem El Dorado für Zigarettenautomaten. Aber erst einmal musste der Franzose die Einfahrt frei machen. Mit schlotternden Knien stieg S. ein.

Klack, klack.
Betroffenes Schweigen. Am ehesten fand der Polizist wieder seine Worte. „Gelle die Batterie iss all??“ Er kannte ja nicht die Vorgeschichte und wir alle zuckten nur mit den Schultern.

Und nun? Kein Ersatzkanister, keine Diesel-Ersatzkanister-Auffüller-Schutzhandschuhe und erst recht kein Starthilfekabel.
Grübel , grübel. „Ich versuch´ das mal in der Kneipe“.. „Das ist ein Restaurant“ wurde ich korrigiert. Die Nerven lagen blank. Ich konnte es gut verstehen. Scheibe eingedrückt und hinter der Tür die Karosse aufgerissen und zusammengerollt – wie eine Sardinenbüchse.

Durch den Hintereingang und mir Büßermiene fragte ich am Tresen ob da vielleicht wer, eventuell, gegf., freundlicher Weise ein Kabel zur Überbrückung von Kia nach Renault zur Verfügung stellen könne.
Spontane Hilfsbereitschaft schlug mir entgegen. Die Angestellten des Lokals waren offenbar vom Küchenpersonal schon nachrichtlich versorgt. Die Mützen hatten alles prima beobachten können. Sicher hat der ein- oder andere Gast etwas länger auf seinen Teller warten müssen.
Prima Qualität das Kabel – und nagelneu. Noch in unversehrter Verpackung.
Also den Koreaner drehen. Und wieder >Mund- zu Mund- Beatmung. (Franzosen stehen drauf).

Vorsichtshalber ließ ich meinen Motor gleich mitlaufen…
Die Maschine vom Renault hörte sich gut an, als sie endlich lief. Kabel abklemmen und wieder einparken. Am besten gleich rückwärts, wenn ich in dem wahnsinnig engen Hof = Parkplatz schon gedreht hatte, wollte ich wenigstens bei der Heimfahrt gleich in Marschrichtung stehen. In der Parklücke angekommen, sah ich einen wild herumfuchtelnden S.
Ich hatte nicht auf die Parkbremse gewartet. Das kostete mich erneute eine erneute Atemspende.

Und dann nach einer guten Stunde Verspätung war es so weit, wir fielen in das Restaurant ein und verlangten den reservierten Tisch für S.

Den fragenden Blick der Dame an der Bar (nicht zu verwechseln mit einer Bardame) konnte ich sehen, ging zu ihr und versprach – bei allem was mir heilig ist, dass Sie ihr Kabel wieder zurück erhalten sollte, sobald wir vom Hof fahren. Wie man sich doch irren kann!
Aber ich wollte ja von der Einladung berichten. Ein Erlebnis war das Lokal schon. Wie schon gesagt, derbe Berghüttenatmosphäre, erinnert etwas an die Dresdner-Hütte am Stubaier Gletscher. Ein Blick in die Speisekarte lies vermuten, dass dies nix für verzogene Franzosen war. Hier geht´s um´s nackte Überleben! Selbst Jumbo, bekannt aus irgendwelchen obskuren Fress- oder Kochorgien des werbefinanzierten TV´s, dieser Extrem- Gourmet ( oder war es doch eher ein Gourmand) also hat sich hier schon durchgeschlagen. Und das kann sich wirklich zu einer richtigen Aufgabe entwickeln. (für Anfänger beginnt man bei lockeren 500 g + Beilagen ).

Ein Selbstgebrannter beschließt das opulente Mahl.
Für Übergewichtige gibt es von mir noch den kostenlosen Rat: “Gegen Ihr Übergewicht hilft leichte Gymnastik“. Nein, keine Liegestütze und so! Es genügt ein Kopfschütteln, wenn man Ihnen etwas zu essen anbietet.”

Danke für die Einladung. War toll.
Wollen wir mal hoffen dass „ER“ anspringt!?

Quälende Ungewissheit plagt uns alle auf dem Weg über den Parkplatz zum Grand Schnickschnack. Und der machte seinem neuen Namen erneut wirklich alle Ehre.
“Klack”

“klack”
Ruhe!

Das war die akustische Wahrnehmung, die noch vor dem Triebwerksstart meines Boliden an mein Tinnitus-gebeuteltes Ohr drang. Ohne Tinnitus hätte ich sicher auch noch das “Ding , Ding, DING und DONG dong” hören können.
Aber wir hatten ja vorgesorgt und das Starthilfekabel erst einmal behalten. Das kam nach flottem Rangieren mit dem Koreaner wieder zum Einsatz. ( wie konnte ich beim Einparken eigentlich davon ausgehen, daß ich einfach so losfahren könnte? So ganz ohne Starthilfekabeleinsatz?

Eine gute Minute und einige “Dings und Dongs” später surrte der Franzose vergnüglich die Marseillaise, als ob nichts gewesen wäre. Kabel ab und mit dickem Trinkgeld und vielen Dank an das Fräulleinchen hinterm Tresen zurück.
Schon als ich über den Parkplatz zurück lief, wusste ich, was ich vergessen hatte. Die Handbremse des Grand-Malheur meldete sich als defekt mit mehrfachem “Ding, Ding Dong” .

Ich begann leicht zu transpirieren. Das erforderliche Prozedere hatten wir ja schon am Vortage durchexerziert. Alleine die Voraussetzungen für die erforderliche OP waren nicht optimal gegeben. Das Equipment war stark vernachlässigt. Warum hatte man mich auch nicht auf so einen Fall vorbereitet. Notfallpläne sind meine Spezialität!

Ich hatte nun auch nicht mehr den Mut die liebe Frau hinter der Theke erneut um das Kabel zu bitten. Das übernahm meine Holde. Und clever, wie sie nun halt ist, hat Sie das Teil für einen unverschämt günstigen Preis gleich käuflich erworben. Mangels Preisvergleich und zur Rettung der Situation wäre aber auch der 3- bis 4-fache Ladenpreis gerechtfertigt. Lauthals grinsend kam sie zurück und übergab Sie mir die Schnüre und die Aktion wurde als voller Erfolg mit gelöster Feststellbremse beendet. Mit einem freundlichen “Dong” schaltete sich die Fehlermeldung mit der Feststellbremse aus.
Nur weil der launische, französische Antichrist noch einige Male “Laut” gab, blieben wir mit unserer Rikscha noch die ganze Rückfahrt über in der Nähe. Als Begleitschutz. Immer das neuerworbene Überbrückungskabel griffbereit…..
Jetzt fällt mir heissbrennend ein, daß wir der freundlichen Bedienung noch Geld schulden. Wenigstens 10 Euronen soll sie noch bekommen, damit nicht auch noch die Hilfeleistung zum Verlustgeschäft für sie wird.
Das Starthilfekabel gab es für S. übrigens hübsch verpackt dann zu Weihnachten.