Das Königsbrünnchen

Beim karfreitäglichen Gassigang in des Morgens Frühe kam ein Gedanke im Hirne an. Das geschieht ja nicht so oft, also genieße ich es. Nach 2 oder 3 Kilometer drehte ich abrupt um, pfiff nach den besten Freunden und trabte Richtung Auto zurück.

Der Blitz im Geiste führte mich stracks in den Frankfurter Stadtwald. Schon vor etlichen Monaten hatte ich es @Ottogang versprochen, ein paar Fotos hochzuladen. Heute war das Wetter gut geeignet und der Tag war jung. Zwischen Neu-Isenburg und Frankfurt liegt versteckt im Wald ein kleiner See. Ein beliebtes Ausflugsziel – nicht nur für die Großstädter. Gleich am Parkplatz wird man vom „geflügelten Wildschwein“ empfangen.  Das bewacht den Eingang zur ehemaligen Fasanerie.(alle Fotos lassen sich durch anklicken mehrfach vergrößern)

Links und rechts der schmalen Straße führen Fußwege bis zur Straßenbahnhaltestelle. 

Die Frankfurter Linie 14 verbindet Neu-Isenburg mit Frankfurt und fährt bis Ffm-Bornheim. Viele Isenburger und Frankfurter nutzen die Tram um bequem in das Naherholungsgebiet zu gelangen. Es sind von der Haltestelle aus nur wenige Meter bis zum See. 

Das ist der Jacobi-Weiher. Für Einheimische aber ist es der Vierwaldstädter See. Rings um der Weiher gibt es schattige Spazierwege und davon abgehend eine ganze Reihe von Waldwegen, auf denen man nach Frankfurt-Süd (Sachsenhausen) oder zum Frankfurter Stadion (Commerzbank-Arena – das ist da wo die Eintracht zu oft verliert) kommt. In anderer Richtung geht es nach Neu-Isenburg. Der Rundweg, entlang des Sees, ist insbesondere bei trockener Witterung sehr zu empfehlen. Abwechslungsreich die Flora und Fauna. (Mandarinente weitere Fotos im Anhang)

Hier übt man offenbar schon für die Passionsspiele (Hauptrolle)

Am nördlichen Ufer grenzt das Ausflugslokal „Oberschweinstiege“ an. Zum Wilddieb nennt es sich heute. Der Parkplatz war erstaunlich hoch frequentiert.  Auf die neue Saison war man bei Wilddiebs aber noch nicht nicht so ganz vorbereitet.   Die Freiluftsaison beginnt offenbar doch recht viel später. Über die Lokalität möchte ich jedoch heute nicht berichten.  Zu schlecht waren unsere Erfahrungen in der Vergangenheit. Ich bezweifle, ob wir der Kneipe eine zweite Chance einräumen. Aber all dies ist nur Vorgeplänkel. Primär hatte ich ja den Königsbrunnen als Ziel. Weit bis dorthin ist es nicht.

Am Karfreitag war die Vegetation im Wald erstaunlich weit.   Ein zartes Grün umgibt mich. Vorsichtshalber waren die Schlammspringer ausnahmsweise an der Leine. Das ist gleichbedeutend mit Knast. Es waren nicht die vielen Wandersleut´und Spaziergänger, deretwegen die Leine zum Einsatz kam. Vielmehr hatten die beiden ihr österliches Wellnessprogramm schon hinter sich. Das perfekte Aussehen wollte ich unbedingt erhalten.

Bald schon war die Quelle erreicht. Unbehauene Natursteine geben dem Brünnchen ein fast natürliches Aussehen. Das besonders eisenhaltige Wasser wird von etlichen „Kennern“ gerne schon einmal in Flaschen oder Kanistern mitgenommen. „Wer 90 Jahre davon trinkt, wird sehr alt!“ Schlammspringer bekommen nur ein paar Schlückchen gegen den Durst. Kein Vollbad. Ich hatte keinen fellverträglichen Rostentferner mehr zur Hand.

Rückweg nach Indianermanier. Nur nach dem Stand der Sonne navigierte ich  zurück zum Parkplatz. Die Wege führten entlang eines Bachlaufes. Der  Überlauf des Jacobi-Weihers versorgt -mit Ausnahme von besonders heißen Sommermonaten- den Bach mit ausreichend Wasser. Es reicht derzeit sogar um die Feuchtgebiete links und rechts des Weges völlig unter Wasser zu setzen. Ursprüngliche Natur. Und sehr erstaunlich, daß hier keine Styropoor-Schachteln und MCD-Verpackungen herumschwimmen. Natur eben, eine Wohltat.

Der letzte Sturm im März hatte hier gar nicht so heftig gewütet, wie dies noch einige Kilometer weiter südlich der Fall war. Lediglich einen einzigen Baum habe ich bermerkt, den es gefällt hatte. Aber was für ein Baum!Die Spaziergänger hatten recht schnell einen Trampelpfad geschaffen, da es auf dem Weg absolut kein Weiterkommen gab. Der kurze Umweg führte durch lockeres Gebüsch, weshalb ich die Hunde von der Leine ließ, damit sich die Leine verheddern konnte. Ehe ich es noch zu Ende gedacht hatte, waren beide schon auf und davon – Richtung Bachlauf. Ein gestrenger Pfiff und beide blieben wie angewurzelt stehen. Ja, so mag ich das. Zwar hatte der Pfiff die Passanten im Umkreis von etlichen hundert Metern auf mich aufmerksam gemacht, aber das war es wert. Beide Kumpels sahen mich an. „Alice, Sally hier!“ Nichts passierte. Erneuter Pfiff – nicht ganz so laut. Alice setzte sich in Bewegung. Sally schaute mich mit einem, nur zu gut bekannten, Gesichtsausdruck an. „Du kannst unmöglich mich gemeint haben“ interpretierte ich Sally´s Grinsen. Und dann hörte ich nur „PLATSCH„. Indes kam Alice zurück. Nicht überhastet, aber sie kam.Unter dem Sturmgefällten Baum hindurch meldete sie Vollzug. Sally blieb indes abgängig. Nicht daß ich besorgt gewesen wäre. Das ist einfach das Los eines Goldi-Herrchens-, wenn Wasser in der Nähe ist. Stampede nennt sich das bei Rinderherden.

Nach einigen Minuten hatte Auch Sally wieder zu mir gefunden und wir fuhren Hause.

Gestern erst hatte ich eine neue Pumpe an die 9.000 Liter-Zisterne angeschlossen. Eine prima Gelegenheit das 6 bar starke Ungetüm auszuprobieren. Sally war wieder sauber.