Der Hengstbach: die Quelle

Nur bei schönem Wetter sollte man das weitläufige Gelände, in dem die Quelle des Hengstbaches vermutet wird erkunden. Wie ich feststellen mußte, genügt es es nicht, daß nur die Sonne am Himmel lacht.

Auf mehreren, deutlich älter als 30 Jahre alten Rad- und Wander-Karten konnte die Quelle noch ausfindig gemacht werden. Das mußte da sein, wo der winzige schwarze Strich einfach aufhörte. Und das ist inmitten eines großen Wiesen- und Weidebereichs in Dreieich-Götzenhain. Auf neueren Navigationssystemen ist das Bächlein nicht einmal andeutungsweise zu sehen.

Das Wetter war bestens. Nichts als Sonne, nicht zu kalt und schon gar nicht zu warm. Meine Spürhunde sollten mir wertvolle Hilfe sein. Und los geht´s . Vor dem Auto lies ich die Suchmannschaft antreten und ging die Missionsparameter mit der Truppe durch. Absoluter Gehorsam! Nur die Mission zählt. Keine Ausreden. Einsatz bis zur totalen Erschöpfung!

Das kam an und die Hunde waren auf der Spur. „SUCH“ ! Keine 10 Meter entfernt die erste Aufgabe. Sally übernahm das selbstlos und stellte fest: ( Fotos zum vergrößern anklicken )

keine Quelle! Auch der kleine Entwässerungsgraben entlang des Weges gab kein differentes Untersuchungsergebnis. Negativ. Weiter führte uns der Weg in östlicher Richtung. Vorbei an Bauernhöfen, Schrebergärten und immer wieder Entwässerungsgräben.

Geschmackstests haben ergeben, daß es sich in keinem der vielen getesteten Gräben um Hengstbachwasser handelte.

Vorbei an einer Flokati-Zucht.

Die Tierchen waren so mit sich selbst beschäftigt, daß sie nicht einmal die versehentlich Annäherung von Alice bemerkte, die eigentlich nur nach dem Weg fragen wollte. So blieb uns als Alternative nur, den Spürsinnen von Sally zu vertrauen. Wenn es um Wasser (gleich in welcher Darreichungsform, Konsistenz  und Konzentration) handelt, hat ihr Instinkt – vor allem aber die Nase-  sie noch niemals im Stich gelassen. Sie sollte schon bald fündig werden.

Alice ward um Hilfe gebeten und die Geschmacksmuster wurden verglichen.

Das Ergebnis ernüchternd. Kein Wasser, was dem des Hengstbaches entsprach. Aber auch interessant.

Und die Beiden? Schon in respektvoller Entfernung trat man den Rückzug an.

Was hat Chefchen gesagt? Nicht ablenken lassen, nur die Mission zählt!

So trabten wir weiter auf der Suche nach der Quelle. Ich stellte mir schon einen augenfälligen Ort vor, wo Wasser an die Erdoberfläche tritt, um einen Bach zu bilden.  So mit großen Quellstein? Oder einer Baumgruppe? Vielleicht hier? Oder doch eher da? Kein Wasser! Keine Quelle. Doch Sally hob die Nase und wechselte die Richtung. Ob sie den Quell entdeckt hat?

Sie schüttelt den Kopf. Wieder nichts. Auch Hilfe, die ihr durch Alice zu Teil wurde, brachte nicht das gesuchte Ergebnis.

So allmählich gehen uns die Wege aus, die wir noch nicht gegangen sind. Wir erreichten schon die Stadtgrenze zu Dietzenbach und konnten bereits das Schwimmbad durch die Bäume erkennen. Zurück!

Nochmal etwas lauter: „ZURÜCK!

Sally fuhr herum und erinnerte sich der Worte „Absoluter Gehorsam!“

Wie ein geölter Blitz und mit Todesverachtung stürzte sie (fast) auf direktem Wege auf mich zu. Jawohl, das ist Pflichterfüllung!

Wir orientierten uns nun mehr nach Süden. Ein befestigter Weg. Aber der Ursprung des Hengstbaches, von dem ja bekanntlich schon Kaiser Karl der Große berichtete, war noch nicht gefunden. Eine freundliche Frau, in ihrem Schrebergarten, konnte die Lage etwas entspannen. „Schauen Sie doch einmal da drüben, bei der großen Eiche. Da entspringt er“.

Eiche? Da sind wir schon dran vorbei gelaufen. In einiger Entfernung allerdings, da die Wiese nicht so einladend aussah.

„Such“ lautete das Kommando erneut und die Getreuen spurteten los.

Für mich war es nicht so ganz einfach zu folgen. Die frühjahrsgrüne Wiese war recht feucht. Um nicht zu sagen naß. Noch einen Schritt und das Wasser lief von oben in die Schuhe. Na, dann war es ja auch egal. Auf zur Eiche.

Die Schuhe wurden schwerer und kälter. Den felligen Helfern machte das gar nichts aus. Ein kurzes Herumkullern auf vermeintlich trockenen Grund und schon liefen sie an der Eiche vorbei direkt zum Nabel der Welt. der Quelle des Hengstbaches.

So unspektakulär sieht sie aus. Näher als so kam ich aber nicht heran. Zum kalten Oberflächenwasser gesellte sich sehr morastiger Boden. Sumpf. Schade. Zurück zur Eiche. Jeder noch so leichten Erhebung des Geländes folgend.

Auf dem Rückweg folgten wir noch einige Zeit dem Bachlauf – allerdings auf trockenen Pfaden und in einem respektvollen Abstand. Einige hundert Meter weiter sahen wir dann den noch immer unscheinbaren Bachlauf. Die Hunde hatten bis zur Erschöpfung gesucht und gefunden. Noch einmal Füße im Hengstbach kühlen und dann aber nichts wie nach Hause. Duschen, essen und bubu machen.

Und über den weiteren Lauf des  Hengstbaches berichten wir dann ein nächsten Mal.

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6 Kommentare zu “Der Hengstbach: die Quelle

    • Das waren gut zwei Stunden. Für mich war das ja nicht so doll. Aber die Hunde mit ihrer Wassersucht. Du hast sicher die Fotos gesehen, wie intensiv sich die Mädels mit der Brühe beschäftigen. Das scheint die richtig zu motivieren.
      Nur nasse Füße, das mußte nicht wirklich sein. 🙂

    • Hallo Hansdampf,
      die genauen Daten habe ich nicht zur Verfügung, da ich damals kein Gerät hatte, das mir die Daten angezeigt oder gar gespeichert hätte.
      Unweit des 50. Breitengrades ( 49,99502 ) und 8,7501 dürfte etwa die gezeigte Eiche stehen.
      Der Hengstbach hat übrigens nicht nur eine Quelle. Eine weitere soll in Dietzenbach-Steinberg entspringen. Über Google-Map kann man den Bachlauf übrigens recht gut verfolgen.
      Viel Spaß beim Suchen.

      • Hallo!
        Ich bin der 2. Vorsitzende des ASV Walldorf. Wir sind Pächter des Gundbaches, welcher sich an den Hengstbach anschließt. Seit einigen Jahren bemerken wir, dass bei längeren Trockenzeiten der Bach zu bestimmten Zeiten (meist 11-17 Uhr) fast gänzlich trocken fällt. Beim letzten Mal (16.-18.7.) haben wir den Bachlauf bis ca. 500m vor der vermuteten Quelle begangen und da war nur ein Rinnsaal, jeweils ab 17 Uhr war in Walldorf an der Brücke zum Gundhof der Wasserstand wieder normal . Können Sie uns bei der Suche nach der Ursache (Wassserennehmer bzw. -umleiter) unterstützen? Von einer zweiten Quelle wussten wir ebenfalls nichts, auch hier wäre es schön, wenn Sie uns einen Tipp geben könnten.
        Schon mal vielen Dank!
        Friedel Simon

      • Hallo Herr Simon,
        es gibt im Verlauf des Baches eine ganze Reihe von kleinen Umleitungen, die für mögliche Stauungen verantwortlich sein können. Es sind von Götzenhain bis Sprendlingen eine ganz Reihe kleinerer Hindernisse festzustellen, die schon auf der Karte unschwer auszumachen sind.
        Apropos Karte, wenn Sie in Google-Map einmal „Dietzenbach, Waldschwimmbad“ suchen, bekommen Sie einen wunderbaren Überblick über das Quellgebiet in Götzenhain (natürlich westlich von Dietzenbach) Ziehen Sie den Zoom leicht auf, und Sie können wunderbar den gesamten Lauf verfolgen. Als Karte, nicht als Satellitenaufnahme. Und das reicht tatsächlich bis Walldorf.
        Ich konnte den Verlauf nur bis in die Wälder zwischen Buchschlag und Zeppelinheim verfolgen. Dort hindert dann ein Naturschutzgebiet an der weiteren Verfolgung. Während meiner Schulzeit hieß es dazu, dass der Hengstbach vor Zeppelinheim versickere und nach dem Flughafen wieder auftaucht. Bis es Google gab, hielt ich an diesem Mythos fest. 😉

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