Schwanensee

Ohne festes Ziel einfach nur durch den Wald. Für Spaziergänge auf freier Flur war es viel zu kalt. Und der scharfe Wind sorgte für gefühlte minus 15 ° C.

Vom Waldfriedhof Dreieich-Buchschlag aus ging es erst einmal in westlicher Richtung los. Dann links, dann rechts, wieder links. Und dazwischen viel gerade aus. Da erdreistete sich  ein  Pfosten vom Regionalpark Rhein-Main sich mir in den Weg zu stellen.

Das weckt aber Erinnerungen an die Jugendzeit. Die „Gehspitz“ war insbesondere bei der jüngeren Badegäste Inbegriff von Spaß, Musik, Baden und und…. schon zu lange her. Ich weiß das nicht mehr ;- Tatsache ist, daß sich trotz Badebetrieb die seltenen Tierarten hier angesiedelt haben. Wegen der rot karierten Waldläuferschnecke wurde dann auch geschützt. Als dann auch noch seltene Vogelarten sich hinzugesellten, war endgültig Schluß mit lustig. Die künstliche Verwilderung wurde eingeleitet, Bäume gefällt und sonstige Hindernisse geschaffen, daß sich kein Spaziergänger oder gar ein später 70 er zu einem Bade hinreißen liese.

Nach wenigen Jahren war das Schutzgebiet von der Natur völlig in Beschlag genommen und die Spaziergänger mußten nur Angst vor den blindwütigen Mountenbiker haben, die auch heute – trotz Frost- wieder unterwegs waren.

Es ist nun gewiß schon 4 oder 5 Jahre her, daß ich das letzte Mal Jugenderinnerungen aufgefrischt hatte. Heute ist das Gebiet weitläufig ein akzeptiertes Naturschutzgebiet. Sogar mit Schwänen auf dem zugefrorenen See.

Schwäne…. See…. Eis…. zugefroren?     Festgefroren!

Nachdem ich den See fast umrundet hatte, waren die weißen Riesen noch immer fest und bewegungslos an ihrem Platz. Die mußten also tatsächlich festgefroren sein. Nur gelegentlich wurde der lange Hals gereckt und mit Rundumblick nach Hilfe Ausschau gehalten.

Dann sackte der Schwan wieder zusammen und versank in seinem eigenen Gefieder. Den zwei Hübschen sollte geholfen werden.  112 lautet die Notrufnummer. Auch auf dem Handy. Gleich zwei Notrufzentralen hatte ich in der Leitung. Gewonnen hat die Branddirketion in Frankfurt. Glückwunsch. Meldung abgesetzt: kurz, einprägsam, exakt, mit Beschreibung der Opfer, Zustand, derzeitiges Befinden, Ort möglichst mir Längen-  und Breitgrad aber auf die Bogensekunde genau! „Vielen Dank, wir kümmern uns drum!“

Wenn ich die Kamera schon dabei habe, will ich auch noch sehen, wie die Retter die Vögel aus dem Eis holen. Meine Hunde zerkleinerten in der Zwischenzeit 2 Buchen und eine halbe Eiche, die da so herumlagen. Die geschützten Tiere des Waldes unterhielten mich derweil mit Ihren Flugvorführungen.

Eine Stunde verging, als sich mein Handy mit heftigem Schütteln in der Tasche rührte. „Wir kommen vom Parkplatz aus nicht durch – alles zugeparkt! Wir versuchen es mal über Zeppelinheim.“ Tja, liebe Spaziergänger, parken ist reine Glückssache. In diesem Fall hängt kein Menschenleben davon ab……..

Ich verlies meine Beobachtungsposition und wanderte um den Weiher auf gegenüberliegende Seite, die ich auch der Feuerwehr so erklärt hatte. Die mußte sich nun einen Weg im Gewirr des Waldes suchen, um an die beste Position zu gelangen. Weit über eine Stunde mußten die Havaristen warten, bis die Vorhut ihren Weg gesucht und gefunden hatte.

Die beiden Profis erkannten sofort die Lage. Mit dem Funkgerät kontaktierten sie den zweiten Wagen, einen großen Einsatzwagen mit Besatzung, um ihn entsprechend einzuweisen.

Die Zeit vertrieben sich die beiden Schwäne mit warten auf Rettung.

Kurze Zeit später war auch die Verstärkung da.

Konferenz. Beratung.

Ergebnis: man versuchte die Schwäne mit Geklatsche, Stöckchen werfen zu motivieren.  (Mensch das sind doch keine Apportierhunde! War ich froh, daß sich meine felligen Freunde nicht angesprochen fühlten und den Hölzchen hinterher hechteten, wie das sonst regelmäßig der Fall ist) Völlig in ihrer Lethargie versunken hoben mal gerade einer den Kopf, um gleich darauf wieder in ausgeprägter Hoffnungslosigkeit zu vergehen.

Während immer noch Steine, Sandbrocken, Hölzken und Stöcksken mit zwitschernden Getöse über das Eis Richtung zischten, wurde bei der benachbarten Wache der ehemaligen Hugenotten-Ansiedlung Neu-Isenburg angefragt, ob man ein Schlauchboot zur Verfügung hätte. (Ergebnis unbekannt) Fünf Zentimeter dick sei das Eis, sagte einer der Mannschaft, der sich vormals auch an der Attacke auf die armen Festgefrorenen beteiligte. Dann kam plötzlich Bewegung in die Angelegenheit. Am Ufer wurden immer noch Argumente verschickt. Die Spuren waren auf dem Eis unübersehbar. So kann man den Weiher auch auffüllen. Dem fehlt zu den 60er und 70er Jahren sowieso eine ganze Menge Wasser. Geschätzte 5 oder mehr Meter sank der Wasserspiegel. Das war den Schwänen aber ganz egal. Nicht egal aber war der ständige Beschuß mit allem, was sich als „Strandgut“ so finden ließ.

Dem ersten der beiden Bedauernswerten reichte das. Er stand auf, reckte sich und brachte das  Flügelgefieder in Ordnung. Als dann auch der zweite nach einigen Minuten ohne erkennbar Mühe sich erhob, fühlten sich die Retter doch sehr vera ..   lbert. Die Schar der Neugierigen war auf 10 oder 12 angewachsen. Applaus, Applaus, Applaus!

Die Vögel setzten sich langsam in Bewegung, nahmen Geschwindigkeit auf und starten schließlich zu einer vorschriftsmäßig geflogenen Platzrunde.

Aber nur um sich auf der anderen Seite der Eisfläche erneut niederzulassen. Dort warten Sie sicher, bis der nächste Waldläufer die 112 anruft.

Dank den mutigen und unermüdlichen Männern der Frankfurter Feuerwehr, für die es -allen Göttern zum Dank- dann doch nur eine Übung bei herrlichem Sonnenschein und knackig kalten Temperaturen war. 🙂

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Special für Ottogang

Wie der Tag in Dreieich sich neigte:

@Ottogang: Ich möchte nicht neidisch machen. Die Fotos sind rein zur Information gedacht 😉

Gassigang am Spätnachmittag. ( Die Tölen wollten es nochmal wissen )

Ich wünsche einen wunderschönen Sonntag!

Geniale Technik

Der Beginn meiner Schwerhörigkeit geht mehr als 40 Jahre zurück. Sie ist begründet durch ein Manöver-Schießen mit der „Karl-Gustav“ – der schweren Panzerfaust. Ich hatte Dienst als Kraftfahrer vom Dienst und musste den Munitions-Transport fahren. Danach durfte ich auch noch einige -heutzutage eine vom Aussterben bedrohte Gattung- Wehrpflichtige von der Unterkunft zum Truppenübungsplatz karren. Mein Schießbuch wies an diesem Tag nicht einen einzigen Treffer aus. Was Wunder, ich hatte nicht einen Schuß abgegeben. Als die Büchlein eingesammelt wurden, war mein KVD – Dienst vorbei. Ich hatte das große Vergnügen mit einigen Pickelträgern auf der Schießbahn die alte Munition verballern zu dürfen. Und nur die besten Ergebnisse wurden ausgewählt und eingetragen. ( So kommt man an eine Schützenschnur in Gold, Ihr Luschen! ) Nach der Uzi kamen die Braut des Soldaten und schlussendlich die Pistole noch dran. Gleiches Spiel. Ich glaubte, mir das pulvergeschwärzte Gesicht abwaschen zu müssen, als festgestellt wurde, daß in meiner Sammlung die Panzerabwehrwaffe fehlte.

Also auf zum Combat-Ballern mit der „Dicken“. „Ohropax hat´s keene mehr“. Egal, ist ja sowieso nur was für Weicheier. Kraawumm. Ziel verfehlt, die virtuellen Jungs im Panzer hätten nicht einmal mitbekommen, daß sie beschossen werden sollten. Das Krawumm wirkte noch immer. Es pfoff und wollte nicht verstummen. Der „Spieß“ schien mit mir plauschen zu wollen. Ich verstand „pfiiiiiiieeeeepp“. Und dabei blieb es auch noch einige Stunden. Kein Mensch wußte da was von Tinnitus. Ich habe ihn erfunden! Aber wie es mit vielen Entdeckern so ist, sie bleiben unbekannt, die Geschichtsbücher ignorieren die stillen Helden und die Lorbeeren heimsen dann andere ein. Die Monate ( 18 [!]waren das noch, ihr Luschen) vergingen und das Zivilleben hatte mich wieder. Das gelegentliche Teekessel-Pfeifen wurde im Laufe der Jahre heftiger und schlußendlich zu meinem ständigen Begleiter. Vor Jahresfrist hatte meine bessere Hälfte genug vom ewigen „hä, nochmal, sprich langsam, deutlich und schau mich dabei an“. Ein kleines Stück Technik mußte herbei und wurde mir hinter jedes Ohr (ich habe zwei betroffene Lauscher davongetragen) geklemmt.

Wer mich kennt, weiß, daß ich technisch interessiert bin. So wurde natürlich ein besonderes Hörrohr angeschafft. Mit Fernbedienung, Filtern, und X und Feuerstein. Besonders die Sprachfilter sind interessant. „Du mußt. – – – – – -“ und schon schaltet die Technik auf stumm. Grandios, wemma nix hört. Die Redewendungen sind selbstverständlich frei programmierbar und können per Schnittstelle in die Gerätschaft geladen werden. Schade ist, daß der dafür zur Verfügung stehende Speicher nur für ca. 150 Ausdrücke , so genannte Keywords, ausreichend.

Leider funktionieren die diversen Filter beim Telefonieren nicht. Irgendwie setzt das Handy die Sonderprogrammierung matt. So kam es, daß ich der unbedingten Anweisung auf dem Wochenmarkt vorbeizufahren und 1000 Gramm Feldsalat zu erstehen Folge leistete. Ein riesiger Stand mit Gemüse und Obst mit breitem Programm. Und vieles aus eigenem Anbau. Die überforderten und deshalb permanent unter Zeitdruck stehenden Rentner drängen nicht nur die Sozialkassen in die Knie, sonder sich gerne auch am Gemüsestand vor. Beim dritten Anlauf der Verkäufer “ Wer ist denn jetzt dran“ erinnerte ich mich an die Pistolenausbildung. Aus der Hüfte, und dann gleich mit allem was zur Verfügung steht. Als Pragmatiker rief ich spontan, ohne mich umzuschauen “ Ein Kilo Feldsalat bitte!“ Der ganze Stand erzitterte, dann erstarrte jede Bewegung. Als sich die Situation allmählich wieder erholte, fragte die Verkäuferin nochmal vorsichtig nach. „Ja, ein Kilo! Ich weiß, daß Feldsalat in Gramm gehandelt wird!“ Ausweislich des Preisschildes waren 100 Gramm für 1,60 €uro zu bekommen. Um die angespannte Stimmung zu entschärfen fügte ich hinzu: “ Früher habe ich meinen Koks auch in Zentnern bestellt. Heute geht´s nach Gramm – und er ist weiß.“ Zwei oder drei Rentner verstanden das! Das Jungvolk träumte stattdessen von zentnerschweren Kokslieferungen.

Und nun noch schnell die acht halben Brathühner (die Enkel sind zu Besuch) – ausdrücklich ohne! Am Nachbarstand hatte der Geiergrill gerade noch 10 oder 12 auf der rotierenden Stange. Drei Kunden vor mir. Hoffentlich reichen die Vorräte, bis ich dran bin. Hah, ich war sofort dran, da die drei vom Grill auf Pommes warteten, die erst noch gesottet wurden. „8 Halbe, bitte“. Per Automatismus kam spontan die Frage „zum Mitnehmen“? „Nee, ich ess, die hier!“

Mannomann, was wäre mir heute alles entgangen, hätte ich keine Hörgeräte mit Spezialfilter!

Die Pause der Binnenschiffer

Seit mehr als einer Woche liegen die 6 Tankschiffe fest vertäut hier fest. In Kelsterbach bei Frankfurt gibt es eine Entladestation,  an der -für den nahegelegenen Frankfurter Airport – für gewöhnlich  Kerosin für die Jets entladen wird.

Die Pumpstation kann wegen des Hochwassers nicht betrieben werden. Damit bleiben die Schiffe mit ihrer Fracht wohl auch noch einige Tage dort liegen.  ( Die Versorgung der FRAPORT muß nun über den Landweg oder die Schiene(?) erfolgen. Der Schiffsverkehr auf dem Main ist ohnehin eingestellt. Zu stark ist die Strömung, zu hoch die Flut

.. So hoch, daß selbst die Anleger völlig überflutet sind und alle Landgänger erst einmal Gondoliere   spielen müssen.

Aber auch der übrige Schiffsverkehr ist eingestellt. Die Schleusen sind geschlossen, weil überflutet. Hinzu kommt noch der schreckliche Unfall auf dem Rhein, wodurch der Schiffsverkehr ebenfalls zum Erliegen gekommen ist. Der Weg nach Gelsenkirchen, zur Raffinerie

ist blockiert.

Die Besatzungen wurden, soweit das möglich war, reduziert. Aber noch immer bedeutet so ein Liegetag ca. 5.000 bis 6.000 Euro Verlust. Und nach einem schnellen Ende sieht es derzeit nicht aus.

Für die verbliebene Besatzung sind kleinere Reparaturen angesagt.

Und sonntags geht M(m)an(n) zum Fußball. Die Eintracht kickt ja ganz in der Nähe. Und die haben auch noch verloren!

Es war schon ´mal schlimmer

Wer in Offenbach – Rumpenheim in diesen Tagen die Fähre benutzen will, wird nicht viel Glück haben.

Das Gefährt liegt seit einigen Tagen  fest vertäut am Ufer. Oder ist das mitten im Fluß?

Das aktuelle Hochwasser des Main läßt Grenzen und Befestigungen verschwinden. Unter den braunen Wassermassen sind keine Konturen mehr feststellbar.

Willkommen in den Feuchtgebieten von Rumpenheim.

Der Main ist nun mehr als doppelt so breit.

Das sollte man ernst nehmen. Das blaue Schild verwirrt allerdings geringfügig.

Und wer nun glaubt, es ginge nicht schlimmer, wird eines Besseren belehrt. Im Jahre 1861 bzw. 1882 gab es richtig nasse Füße.

 

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Bergretttungswache Mehlmeisel

Prosit Neujahr! Das Jahr 2011 war schon einige Momente alt, als auch die letzte Rakete

gezündet war und wir endlich ins Bett fanden. Prima, daß man im Hotel auf Schlafmützen besondere Rücksicht nahm. Frühstück gab es bis 15:00 Uhr. Rollmops, eingelegtes Gemüse und Mineralwässerchen waren auch ausreichend vorhanden, um die eventuellen Verluste der Silvesterfeier auszugleichen.

Als wir unseren Mineralhaushalt einigermaßen wiederhergestellt hatten, stand der übliche Neujahrs-Spaziergang an. Die Fittesten in der Runde verlangten nach mehr „Action“. Aber nein, für´s Skifahren  war es schon zu spät. Bis wir richtig oben sind, reicht es gerade für eine Abfahrt. Verschieben wir das doch auf morgen! Und so hammers auch dann gemacht.

Deutlich ausgeschlafener, erheblich früher beim Frühstück und auch sonst topfit wollten wir nun sowohl den Skifahrern als auch den Rodlern und Spaziergängern unter uns etwas Gutes tun. Mehlmeisel, nur 5 oder 6 Kilometer und eine Ortschaft von unserem Feriendomizil entfernt, schien dafür bestens geeignet. Skipiste, abgetrennte Rodelbahn, Langlaufloipen, geräumte Wege – was will man noch? Der Parkplatz war es bei strammen Minusgraden recht woll.

Aber es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Wir hatten Glück und konnten direkt einen (kostenlosen) Parkplatz ergattern. Die Ordnung wurde von Mitgliedern der Bergwacht übernommen, die für einen flüssigen Verkehr und staufreie Zu- und Abfahrt sorgten.

Wir konnten es kaum erwarten, bis die Ausrüstung endlich angelegt war. Und los geht´s. Skifahrer rechts, der Rest nach links! Die Skipiste war gut besucht und am Schlepplift gab es zwischen 2 und max. 5 Minuten Wartezeit. Es gibt übrigens gleich zwei Schlepplifte. Für eine relativ überschaubare Piste eine überragende Ausstattung.  Nun, Mehlmeisel ist sicher keine hochalpine Bekanntheit. Die breite und gut präparierte Piste bietet keine Überraschungen.

Vielleicht ist aber eine Baumgruppe mittendrin erwähnenswert. Nach Möglichkeit sollte man die umfahren. Sehr angenehm ist, daß die Rodel, Schlitten, und Bobs nicht auf diese Piste dürfen. Auch dafür sorgen die emsigen Helfer der Bergwacht. Deren Station an der Piste scheint auch recht gut ausgerüstet zu sein, eine große Hütte, mit Garagen und etlichem Gerät waren zu sehen. Leider sollte dies aber auch an diesem Tag zum Einsatz kommen. Wir sahen einen Motorschlitten mitten auf der Piste mit Blaulicht. Und bald darauf setzte sich das Rettungsgefährt mit Anhänger talwärts in Bewegung. Schon nach wenigen Minuten wurde der Verunfallte Skifahrer in die „Erste-Hilfe-Station“ der Bergwacht gebracht. Ein eingespieltes Team macht eine schnelle Hilfe möglich.

Wir kümmerten uns derweil um unsere Rodler. Die Bahn geht direkt hinter der Station der Bergwacht ab. Ein kleines Plateau und ein schneller Hang mit gutem Auslauf sogen bei den Schlittenfans für gute Laune.

Die Minus 16° C sorgten bei den Wartenden für grobe Verstöße gegen das Vermummungsverbot.

Während wir noch den Spaß der Rodelbahn genossen, wurden die Wartenden auf dem Plateau von einem Bergwachtler gebeten, den gesamten Bereich frei zu machen. Der Rettungshubschrauber sei im Anflug. Schnell entfernten sich die Rodler. Es dauerte nur 3 oder 4 Minuten, bis der Helikopter zu hören war. Wieder war es ein Mitglied der Bergwacht, der den Hubschrauber mit gekonnten Zeichen einwies. Vorsichtig näherte sich das Fluggerät.

Und dann war der Heli im aufgewirbelten Schnee verschwunden. Die Rotorblätter standen noch nicht still, als auch schon das Notarztteam ausstieg und zum Sani-Raum eilte.

Es dauerte eine ganze Weile. Dann stand fest, daß der Verunfallte ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Genau so schnell wie gekommen, ging die Verladung in den Heli vor sich. Die Turbine lief hoch und als der Schnee wieder alles einhüllte, verschwand der gelbe Engel gen grauem Himmel in Richtung Bayreuth.

Den Bergwächtlern wünschte ich noch einen ruhigen Tag, was sehr gerne entgegengenommen wurde.

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Freie Marktwirtschaft

Das System ist erkannt. Es wurde mir ja auch lange genug eingebläut.  Die Umsetzung ist recht einfach. Man muß ein Schwein sein, auf dieser Welt. Dann klappt´s auch mit der Auslegung. Schon im 18.ten Jahrhundert war es schlauen Köpfen aufgegangen, wie der Markt die Produktion regelt und den Verbrauch beeinflusst. Ihr wisst schon: Angebot und Nachfrage, Kartell, Dumping, Wucher und so was alles….

Termin auf der „Hanauer“. Automatisch geht der Blick nach links, um die Spritpreise von „Mr. Wash“ zu prüfen. Oftmals die günstigste Tanke in der Gegend. Nanu? Das angegilbte, tafelbehängte manuell-analoge Anzeigesystem steht aussagelos und nackisch einfach so in der Gegend herum. Statt dessen kommt die Information nun genital äähhh digital, ohne daß da noch jemand in den Regen muß, um andauernd die Preistäfelchen auszuwechseln.

Diesel zu € 1,259 – das sind satte 10 €-Cent weniger als im Umland. Selbst die unmittelbare Nachbarschaft  ist 5 Cent teurer. Na, da weiß ich doch schon mal, wo ich nachher den Tank auffülle. Tankanzeige zeigt (bei Optimisten) auf halb voll. Auch die gefahrenen Kilometer sagen, daß gut 40 Liter reinpassen. Die Ersparnis ist zwar nicht soo gravierend, aber es reicht transferiert für ca. 0,4 Promille vom Stöffche. (Für Auswärtige: das ist das Nationalgetränk der Hessen = Apfelwein. Oder Äbbelwoi, wie es zünftiger klingt)

Auf der Rückfahrt sah ich schon von Weitem auf der hell erleuchteten, nagelneuen, galgenhängende  Spritpreisinformationstafel, daß da Irgendwer die Gunst der Stunde genutzt hat. Die Preise waren in der Zwischenzeit um schlappe zwei Cent erhöht worden. Ja, genau so funktioniert Marktwirtschaft.Je länger der Stau auf der Hanauerer, je lauter das Gehupe, desto höhger der Preis.  Eins-siebenundzwanig-neun ist ja immer noch billiger als bei der Sherall, Totesso oder so. Noch immer frohen Mutes stellte ich mich an. Die Schlange reichte noch 5 oder 6 Autos auf die Hanauer Landstraße und blockierte dort den Verkehr. So mancher Genervte probierte seine Hupe aus. Die meisten funktionierten noch, nach dem bislang so strengen Winter. Eine Karosse gab aber nur noch ein gurgelndes Geräusch von sich, was mich an den demnächst fälligen Zahnarztbesuch erinnerte.  Nun wird es Zeit, sich für eine Zapfsäule zu entscheiden. Ich wählte die, wo die Fahrzeuge verwaist herumstanden, was den Gedanken aufkommen lies, die Herrschaften sind schon an der Kasse.

Endlich an der Säule. Klappe auf, Deckel abschrauben, Zapfpistole zücken und losgeht´s. Die  Tankuhr rollte ihre Zahlen in atemberaubender Geschwindigkeit. Bei etwas 30 Litern schaute ich eher zufällig auch auf den verzapften Betrag und den angezeigten Preis. EINS-NEUNUNDZWANZIG-NEUN. Ja ist das denn die Möglichkeit? Das war doch eben noch…  Darf das denn sein? Die Antwort wußte ich, verzichtete aber darauf sie mir auch laut vorzusagen. Das Gezapfe war fertig und es sparte sich insgesamt lediglich noch auf nullkomma-eins-drei Promille zusammen.

Ich suchte nach dem Fenster des Bürotraktes, hinter dem, mit breitem Grinsen, ein Spielfratz stehen mußte, der auf der Klaviatur die Preise im Staccato eintippte und im Fortissimo-Crescendo an die Anzeige und die Säulen sendete. Eigenlobgesänge waren durch die 8-schichtige-Sicherheits-Verglasung nicht zu hören, die verspiegelten Scheiben verwehrten mir den Blick auf Bürokrates und in die Schaltzentrale der Macht.

So funktioniert die neue Anzeige für die Spritpreise und Marktwirtschaft.

Was waren das für Zeiten, als die Preise erst nach dem großen Regen erhöht wurden.