Alte Oper – Brunchen mit Stil

*Obs edler im Gemüt, die Stern´ und Punkte

vier oder fünf, das ist hier die Frage.*

Sonntagsbrunch ist eigentlich nicht mein Ding. Viel zu bequem ist man geworden. Sonntag= ausschlafen ohne daß ein Wecker stört, Frühstück mit Plausch und einem Kaffee extra. Kuchen. So, oder so ähnlich sieht das Standard-Szenario aus, auf das man sich nach einer stressigen Woche freut.

Nun meinte es jemand besonders gut und verpasste uns einen Gutschein für einen Bruch in der alten Oper. Der blieb naturgemäß erst ein paar Wochen liegen, bevor man der Sache sich vorsichtig nähern mochte. Internet – mal durchgooglen, was die Gemeinde da so weiß – und natürlich auch zu Qype. Bis 2008 reichen hier die gemachten Erfahrungen zurück. Von notorischen Nörglern einmal abgesehen, pendelt sich das Niveau so bei 4 bis 5 Sternchen ein. Das war ja auch wichtig für die Anzugordnung. Turnschuhe oder Schmoking? Ein gutes Mittelmaß sollte angemessen sein.
Meine Erfahrungen mit Restaurants, die sich mit gehobenen Ambiente umgeben, waren nicht immer die allerbesten. Klangvolle Namen geben nicht auch gleich eine Garantie für anspruchsvolles Essen, was den Namen verdient hätte. Mit anderen Worten: ich war durchaus kritisch eingestellt, zumal ich auch noch auf den ausgiebigen Sonntags-Kaffee verzichten sollte.

Die enge Einfahrt zur Tiefgarage hat, wie die Spuren vermuten lassen, so manchem Reifenhändler und Karosseriebauer neue Aufträge beschert. Kurz vor „High Noon“ parke ich wohlbehalten direkt gegenüber des Ausgangs. Nicht viel los, an diesem Sonntag. Raus aus der von der Sommerhitze noch gut geheizten und stickigen Garage. Die Wendeltreppe hinauf.

Erst einmal frische Luft schnappen – so viel Zeit muß sein. Der wunderschöne Platz vor der „Alten Oper“ war um die Mittagszeit nur spärlich besucht.

Es war kühl geworden in Deutschland. Trotz sonniger Abschnitte läßt der Herbst schon schön grüßen. Durch den Seiteneingang gelangt man zu den Aufzügen und zur Treppe. Oben angekommen, wurden wir freundlich begrüßt und zum reservierten Tisch geführt. Ohne Reservierung geht beim Brunch übrigens gar nichts. Kurz darauf erschien auch schon ein nettes Frollein, die uns ein Glas Prosecco oder O-Saft offerierte, was im Preis des Brunch-Buffets enthalten war.

Sehr zum Wohle!

In Ruhe umschauen, Ambiente aufsaugen, wirken lassen.

Meine Krawatte hatte ich passend gewählt.

Vorspeisen sichten stand als nächstes an. Die Auswahl war reichhaltig und gut abgestimmt.

Salate, italienische Antipasta, Lachs frisch, Lachs geräuchert, frisch aufgeschnittener Parma-Schinken, Salami, köstlicher Salm, Matjes, prima Salm, Krabben, viele verschiede Brotsorten und Brötchen. Hatte ich schon den Salm erwähnt? Uiiii, war der lecker. Nicht zu erwähnen braucht man die vielen Dressings, und Saucen, die dem Ganzen noch mehr Pfiff verpaßten.

Die Bedienung ist sehr aufmerksam. Der Prosecco war Geschichte und so viel Fisch soll schwimmen. Nun kommt es dann doch zum vermeidbaren Punktabzug schon während die Vorspeise. Es gibt kein Shakespear; nicht einmal Bier vom Fass! Das wurde durch die gehabten Umbaumaßnahmen entschuldigt. Nein, Flaschenbier – das wollte ich nicht. Also bleibe ich im Lande und nähre mich redlich: einen offenen Rheingauer Riesling dann! Das ging in Ordnung. Was da gebracht wurde, war durchaus brauchbar, wenn auch eine Spur zu kalt. Aber das läßt sich reparieren.

Die gelungene musikalische Untermalung übernahmen zwei Virtuosen auf der akustischen Gitarre. Irgendwo habe ich die Kameraden schon gesehen? Verdammt, mein Gedächtnis läßt nach. Wirklich herausragend, was die Beiden da ihren Klampfen entlockten. Und die Stimme des Behüteten war auch nicht ohne. Das paßte alles recht gut zusammen.(Leider ist die Tonqualität des Handys nicht die allerbeste)

Mal sehen, wie das am warmen Buffet weitergeht. Vorsondierung der Höhepunkte. Ich entschloß kurzfristig erst noch einen Abstecher zum Vorspeisen-Buffet zu machen, da Gulasch , Kasseler und Co. zu Hause auch nicht selten gereicht werden. Und gar nicht schlecht, will ich angemerkt haben. Also vielleicht dann noch erst etwas Salm? Eigentlich hätte ich durchaus dabei bleiben können, zumal bei diesem zweiten Gang gerade für frischen Nachschub gesorgt wurde. Bedenkenlos rückte ich dem Burschen zu Leibe – oder besser zu Rücken, denn davon mundet es besonders gut.

Unser Ober war mit unserer bisherigen Leistung ganz zufrieden, als er uns aufforderte, doch einmal bei den Hauptgängen nach dem Rechten zu sehen. Es fällt schwer sich zwischen der Gemüse-Lasagne, etlichen Kartoffelgerichten, Reis, sowie Fisch und/oder Fleisch nebst Beilagen richtig zu entscheiden. Meine Erziehung wirkt noch immer. Was du auf dem Teller hast, wird auch gegessen! So sei es! Wir haben es nicht nur gegessen, weil es irgendiwe auf dem Teller gelandet war. Wir haben es genossen, denn es war vorzüglich! 
Mindestens so besonders war auch das Dessert-Buffet. Dominiert vom unverzichtbaren Schokoladenbrunnen, fiel die Auswahl auch hier recht schwer.

Irgendwann geht nichts mehr rein. Und diese Marke war sicher bald erreicht. Also nur etwas „dies“ und vielleicht noch „das“ oder von „dem da“. Uff. Nix von den köstlichen Eisvariationen und auch das Gebäck hatte wirkliche eine reale Chance auf den Teller zu kommen. Der Cappuccino dazu war geschmacklich ebenfalls in Ordnung, die Milch schön stabil. Es fehlte eigentlich nur ein klein wenig ( nur ein ganz klein wenig ) Deko.

Das Restaurant in pompöser Umgebung, mit großem Balkon (bei 17° Celsius aber heute nur etwas für die Hardcore) hat uns nicht enttäuscht. Im Gegenteil. 

Sobald ein gutes Bier wieder aus dem Zapfhahn fließt, vergebe ich auch noch den fehlenden Stern. Und das wird hoffentlich schon bald sein. Ich freue mich darauf.

Mistersippi

Nach den heftigen Gewittern und Unwettern der letzten Tage für der sonst nur mickrige Hengstbach nun Hochwasser. Die Uferberreiche waren überflutet und allerlei „Strandgut“ hat sich sich angesammelt

Die drückende Schwüle erinnert stark an tropische Regenwälder.

(gemeinsam gegen die Strömung)

(Ob das hier auch Pir… Piranhas gibt?)

Es herbstelt

Auch wenn der August noch einen kräftigen Schluck aus der Sommerpulle genommen hat, wirft die Sonne schon längere Schatten.

Die Quelle allen Lebens hat aber immer noch unverkennbare Kräfte und so suchen auch die Hunde nach einigem Herumtoben und typischen Spielereien schon nach schattigen Plätzchen.

Der Übergang zum Herbst ist dennoch unübersehbar.

Kräftige Vermehrung

In dieser Saison haben sich hier die Hornissen sehr stark vermehrt. Ist der  Klimawandel in Dreieich angekommen?

Die großen Insekten sind einfach überall. Besonders unangenehm wurde es gestern Abend, als ich das Badetuch vom Regal nahm, um es über die Dusche zu hängen, schüttelte ich eine Hornisse heraus. Sehr hartnäckig verliebte sich das Flugmonster in die Deckenstrahler. Auch war es nicht zu überreden, den Vorhang zu verlassen und durch das geöffnete Fenster einfach davon zu fliegen.

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Frankfurt mit 1.000 PS


Weit über 50 Lenze hat sie auf dem Blechbuckel. Von Haus aus sollte sie die Landwirtschaft studieren. Aber Tante Anne ist eigenwillig. Sie mag das langweilige Besprühen von Feldern nicht. Kein Salz in der Suppe. Was tun? Die betagte alt-sowjetische Dame trägt sich eher mit dem Gedanken Leute zu begeistern, die sich den Sinn für handfeste Mechanik aus der Mitte des letzten Jahrhunderts bewahrt haben. Sie wirkt schon ein wenig pummelig mit ihren 3,6 Tonnen (nackisch). Und wenn sie auf Tour geht, kommt sie auf beachtliche 5.500 kg. Wie vielen Ex-Sowjetbürgern, ist auch der Ukrainerin der handfeste Genuß von diversen Flüssigkeiten nicht fremd. Sie schlürft mal locker 200 Liter in der Stunde. Wie nix. Und damit das alles auch gut rutscht, gibt es noch 5 Literchen „Olio für Tante“ extra.

Als ihr Vater,  sie zeugte, schrieb man das Jahr 1957. Schon 10 Jahre früher waren tausende ihrer Schwestern bereits flügge.  Insgesamt rund 18.000 Geschwister hatten die unterschiedlichsten beruflichen Werdegänge. Sie dienten bei der Feuerwehr, im Agrardienst, sogar als Fotografin hat man sie sehen können. Erst im Jahre 1992 kam die Erkenntnis, daß es Annas  nun eigentlich genug gäbe. Väterchen Antonov war aber richtig fleißig und sorgte für viele weitere Nachkommen, bis hin zur Größten und Stärksten aller Klassen – weltweit! (AN – 225, genannt Mrija )

Wenn Sie mit 9 oder 10 Freunden um die Häuser zieht, ist sie in ihrem Element. Luftig geht´s zu, bei ihren Ausflügen.

Ich hatte die Mischpoke zu einem Rundflug über Frankfurt mit der AN 2 eingeladen. Meine Ekel Enkel hatten nicht das Vergnügen meine Flugkünste bewundern zu können. Berüchtigt waren meine Einlagen mit null „G“ in der Platzrunde. Stationiert ist die „Anna“ in Egelsbach, wie ich damals ja auch.

Inzwischen zum Ableger von Frankfurt mutiert, wurde auch in den letzten Jahren kräftig gebaut und unstrukturiert. Frankfurt schickt nun die Geschäftsflieger zum nahe gelegenen Airport Frankfurt-Egelsbach. Es ist Sonntag-Mittag und die Wochenendflieger sind längst weg. Es ist relativ ruhig – und so kann ich auch meinen Outsidecheck in aller Ruhe durchführen.

Ganz oben – mit Warnweste – mühte sich jemand mit dem Peilstab ab, um den Tankinhalt zu kontrollieren. Offenbar der Bordmechaniker. Der Tankwagen bediente die Anna – mit Bring-Service. Als größter einmotoriger Doppeldecker der Welt hat man so seine Problemzonen. Die Tankstelle der mickrigen „Echo-Klasse“ ist nicht für solche hochhackigen Mädels gedacht.

Es dauerte nur ein paar Minuten, bis ein Mitarbeiter der CLASSIC-WINGS-Rhein-Main sich in der kleinen Halle des Flughafengebäudes blicken lies. Es wollte den administrativen Teil unseres Sonntagsvergnügens abarbeiten. Der Pilotör wurde uns (Meschpoke und 2 Zuagraste) in wenigen Minuten avisiert. Kurze Zeit später kam der Bordmechaniker mit Weste und begrüßte die Schar Wartender. Er stellte sich als unser Pilot vor und führte uns auch gleich zu einem kleinen Schwatz zur Maschine. So erklärte unser Kapitän und Bordmechaniker auch einige Feinheiten der „TANTE ANNA“. Ihre 18 Meter Spannweite bei einer Länge von 13 Meter erlaubt , nicht zuletzt auch wegen der zwei Tragflächen, eine äußerst kurze Startrollstrecke. Genau was man für den universellen Einsatz benötigt, wenn nur sehr kurze Start- bzw. Landebahnen zur Verfügung sind.

Die Verwandlung des Kapitäns in den Purser geschah unbemerkt und blitzschnell. Es wurde Champagner kredenzt. Für die Zaghaften unter uns war aber auch an O-Saft gedacht.

Eine solche Zufriedenheit entsteht, wenn man Leidenschaft, Hobby, und Beruf unter einen Hut gebracht hat. Das ist bei Leuten im Cockpit häufig der Fall.

Und dann ging das Gerangel um die Sitzplätze los. Da mit der Tante Anna generell nur ERSTE KLASSE geflogen wird, war das gar nicht so schwer. Inzwischen wurde vom Käpt´n, dem Bordmechaniker und vom Purser der rote Teppich zusammengerollt.

Alle Mann an Bord. Das folgte das Sicherheitsballett. “ im unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlustes …..- passiert nichts !“ Wir fliegen nur max. 1500 Fuß hoch. Das sind rund 450 Meter über Meeresniveau – oder zwischen 250 und 350 Meter über Grund., je nach Topografie.

Ab und zu zischt es, es wird rattern, klackern, quietschen, poltern, knirschen, rumpeln, bollern und alles ist normal. Nachdem sich nun das Personal auf den Piloten reduzierte, konnte es losgehen. Die Genehmigung für das „Midfieldcrossing“ (Überflug) in Frankfurt wurde eingeholt. „Das klappt“, kam die freudige Botschaft aus dem Cockpit.

Die Avionik ist eine solide Mischung aus Antikchen und deutlich neuerer Technologie. Selbst Satellitennavigation fehlte nicht.

Der neun-zylinderige Motor startete und dokumentierte das auch völlig unverhohlen mit einer tollen Qualmwolke und heftiger Vibration, was wiederum zu den avisierten akustischen Highlights führte. Wat mut, dat mut. Nach erreichen der  Betriebstemperatur geht es zur 27. Und das ist nicht siebenundzwanzig sondern die „zwo sieben“ ( Das sind die ersten beiden Ziffern der Startrichtung auf der Kompassrose- also es geht genau nach Westen. Am Rollhalteort noch ein sorgfältiger Check und dann den Hebel langsam nach vorne. Anna setzt sich in Bewegung. Rumpeln und rattern waren korrekt zu vernehmen. Bei der Aufzähluung hatte er „klappern“ vergessen.  Als die Tante sich in die Lüfte erhob, ging auch das Zischen los, was auf funktionierende Druckluftbremsen schließen ließ.

Wenige Meter genügten und das Pummelchen war in der Luft. Völlig unspektakulär – fand ich.


Nur mein Enkel, namens # 4,  fand es richtig aufregend.

Noch im Steigflug ging es rechts ab, Richtung Frankfurt- Rhein-Main-Airport. Blick auf den Bornbruchsee bei Mörfelden.

Aber nicht ablenken lassen. Frankfurt wartet schließlich auf uns. Wir waren gerade mal so auf der geplanten Flughöhe angekommen, als der gigantische Airport auch schon auftauchte. Immer wieder beeindruckend.

Es waren nur ein paar Minuten und wir kreuzten direkt über den Runways von Frankfurt. (Im Vordergrund links übrigens die Gebäude der Lufthansa-Technik mit der Wartungshalle für den A-380. )

Die sehr umstrittene Startbahn im Norden (mit Brücke über die Autobahn) geht ihrer Fertigstellung entgegen.

Die Terminals und das Vorfeld des riesigen Komplexes.

Der „Luxus-Liner“ mit eigenem Flughafen und ICE-Bahnhof. Das sucht seinesgleichen.

Noch ein paar Runden und dann geht es weiter Richtung City. Ich kann das jedesmal genießen, deshalb laß ich Euch mal kurz mit den Eindrücken alleine.

Vom „Spargel“ ging es zum „Bleistift“!

Und hier konzentriert sich die Macht des Geldes: Mainhatten´s Banktürme.

Die Wiege unserer Demokratie: die Paulskirche.

Nach einer viertel Stunde über der Innenstadt und „Frankfurt´s gut Stubb“ ging nochmal nach Norden und dann über die „Ostroute“ zurück nach EDFE.

Nummer 4 bringt uns nach Hause.



Und nun nur noch gerade aus – > > nach Egelsbach.

Nach gut 30 Minuten hatte uns die Erde wieder. Es war doch recht warm geworden. Offenbar hat die Klimaanlage sowjetischer Bauart ihren Dienst quittiert.

Der 30.000 ccm Sternmotor ist völlig gesund. Dat mut!

Unserem Chefpiloten gilt mein Dank. Es war ein Erlebnis, das mir zu aktiven Zeiten nur zum Teil genehmigt wurde. Die City von Frankfurt war streng tabu. Seine freundliche Art und der tolle Umgang mit den Ekeln Enkeln waren beispielhaft. Ein Erlebnis, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen möchte.

Schlaf eines Handlungsreisenden oder die Leiden des alten Uffniks

Kapitel 1)

Fährst du noch, oder staust du schon?

Geschäfts- und Dienstreisen dienen weder der Unterhaltung noch dem Vergnügen. Getreu diesem Motto, also streng nach den einschlägigen Vorschriften unserer Finanzverwaltung, trat ich meine Reise in den Hohen Norden an. Ferienzeit in der Hauptsaison. Alle Bundesländer befinden sich im Ausnahmezustand. Auch unsere europäischen Nachbarländer klagen über drastischen Einwohnerschwund und schier hoffnungslose Überfremdung durch die nicht enden wollende Touristenflut. Und alle, die nicht sinnvoller Weise zu Hause geblieben waren, mussten unbedingt über die A 5 und die A7 nach Norden!

Ich hatte versprochen das schöne Wetter aus der Mitte der Republik mitzubringen. Das gelang erstaunlicher Weise auch recht gut. Es war angenehm warm, kaum bewölkt. Sommer eben. Aber nur für die nächsten beiden Tage. Das reichte mir ja auch. Länger konnte ich nicht bleiben, ohne daß es doch zu einer Vergnügungsreise mutieren würde. Steigende Temperaturen im Laufe des Tages sorgten dafür, daß die Klimaanlage heftig zu tun bekam. Die Nerven scheuerten sich allmählich blank, bei dem zunehmenden Verkehr durch Urlauber. Für die Saison hatte das Verkehrsministerium noch für einen besonderen Gag gesorgt. Die gesamten Baustellenkilometer auf den Autobahnen wurden zum Vorjahr einfach mal verdoppelt! Solide Planung. Ich war hellauf begeistert. Derart kann man auch schon bei der Fahrt so richtig den Urlaub genießen. Das erste Extra des Tages. Die Sonntagsfahrer durften mit Sondergenehmigung nun auch am Dienstag uff die Gass. Und natürlich alle links. Das war zwar nicht Bedingung – das ergab sich so. Die Mitte war nur äußerst schwach besucht. Die rechte Spur war offenbar gesperrt und nur für Uffniks reserviert. So viele davon waren aber gar nicht ´mal unterwegs. Einen hatte ich gezählt. Bei den unvermeidlichen Bremsmanövern der blöden Linken, erntete ich immer wieder neidische Blicke. Ich genoss auch das freundliche Zuwinken der linksdralligen Gesamtfraktion, sobald ich die Kiste noch ausrollen ließ, wenn es auf der hochfrequentierten Spur wieder einmal hart auf die Eisen ging. Die Linken sollten sich aber angewöhnen die Hand beim Winken zu öffnen. Sieht nochmals freundlicher aus. Aber nicht zu weit, sonst werden sie sehr leicht mit den ganz Rechten verwechselt. Das aufgeregte Schnattern der ältlichen Berlinerin im dicken Daimler entbehrte schon optisch jeder Nettigkeit, während der zugehörige Gemahl verkrampft ins Lenkrad biss. Ich hoffte, daß die Gebisse der beiden das mitmachen. Für Kurzweil war also gesorgt, mein Amüsement war perfekt.

Kapitel 2

Duschst du schon, oder spähst du noch?

Das Ziel meiner Anfahrt war eine Empfehlung meines Kunden. „Großartiges Restaurant, kein Billigladen – aber das Geld bereut man auch nicht.“ Das sagte nun wenig über die Hotelqualitäten aus. Trotzdem buchte ich das letzte verfügbare Bettchen.
700 Kilometer und gut zwei Stunden Stauerei hatten ihre Spuren hinterlassen. Jetzt eine erfrischende Dusche. Zuerst aber die sehr freundliche Begrüßung. Und der Dank für das importierte Wetter. Danach wurde mir mein Zimmer gezeigt. Tür auf und…. uiiii war das warm. Ein großes Doppelzimmer tat sich vor mir auf. Schon etwas in den Jahren, aber sauber. Ein Fenster suchte ich vergebens. Statt dessen gab es eine Balkontür (!).

Die frisch importierte Sonne schien am frühen Abend noch sehr intensiv und sorgte für die schnuckeligen Temperaturen. Tür auf! Der Luftaustausch konnte beginnen.
Wer keine Probleme hat, macht sich welche. Vom Bett bis zur Kreuzung der Bundesstraße waren es schlappe 10 oder 12 Meter. Was mir da alles durch den Kopf schoss. Daß ein Mensch überhaupt zu solchen Gedanken fähig war…schon erstaunlich! Trotzdem hatte ich  nun keinen Plan zur Hand, wie ich gleichzeitig ausgiebig Duschen und die geöffnete Balkontür im Auge behalten konnte , ohne gesteigertes, öffentliches Interesse zu wecken. Man will ja als Gast nicht unbedingt den Neid der Landbevölkerung verursachen.

Unter Verzicht auf die eigentlich dringend erforderliche weitere Frischluftzufuhr, wurde die Tür gekippt und der Vorhang geschlossen. Langsames heran tasten an die für Warmduscher gerade noch erträgliche untere Temperaturschwelle. Wasser marsch! Noch ein bis zwei Grad runter, und ich kann mich bei Germanys next Topmodel anmelden.

Das war richtig erfrischend und die Strapaze der Anreise waren fast vergessen. Und nun? Ich wollte die Ostsee sehen. Der Wegbeschreibung meines Kunden folgend, ging es die „paar Meter“ an die Flensburger Förde. Schleswig Holstein ist doch erheblich größer, als gedacht. Zwischen zweimal links und einmal rechts abbiegen lagen doch etliche Kilometer. Der Tank war voll, was sollte also passieren? In Höhe von Westerholz (- oder war es doch OsterHolz?) traf ich auf dem „gebirgigem“ Gelände endlich auf die See.

Das Brackwasser der Förde versprühte in der Abendsonne einen besonderen Reiz und eine beruhigende Atmosphäre.

Ein leichtes Lüftchen sorgte für den Rest.
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Von der Reise noch dehydriert und total hungrig, mußte ich mich aber dringend um mein leibliches Wohlergehen kümmern. Schöner Strand hin oder her. Nein eine Imbissbude sollte es nicht sein.

Mein Streben galt einem Restaurant in Langballig.

Kapitel 3

Guckst du noch oder schlemmst du schon?

Direkt an dem kleinen Yachthafen gibt es für Uffniks viel zu sehen. Schiffsche, Böötsche und ausgesprochen schöne Segelyachten gaben sich hier ein Stelldichein.

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Nein, nicht so wie an der Côte d’Azur. Aber etwas Schaulaufen war schon dabei. Manche Skipper hatten es sich auf der Terrasse der Hafenbar gemütlich gemacht und genossen nicht nur ihren Drink in der angenehmen Abendsonne. Sie sonnten sich auch in der Bewunderung der Landratten für ihre Kähne. Na gut, die paar Meter Landungsbrücke schaffe ich auch noch vor dem Essen. Und da gab es Möwen! Reichlich Möwen…..

Auch die Jungvögel mußten ihre Flugkünste unter Beweis stellen, wollten Sie noch ein freies Plätzchen erwischen.

Und immer wieder Möwen. Vor der 18. Reschtschreiprevorm nannte man die frechen Räuber auch „Möven“.

                    

Ein Anlegemanöver der Küstenwache.    Verdammt, ich hab´ Hunger. Und der duldete keinen Aufschub los. Gnadenlos knurrte der Magen.

Das gesuchte Restaurant hat zwei Ebenen. Unten ein Bistro und im Oberstübchen das besagte Restaurant. Mit großem Balkon. Blick direkt auf den kleinen Hafen, die Förde und vielleicht auch einen schönen Sonnenuntergang. 

Die überaus nette Bedienung war flott unterwegs. Sie erkannte wohl meinen kritischen Zustand. Sehr zügig erhielt ich mein After-BAB-Bier. Natürlich ein Flens! Und noch ne Buddel Wasser. Jetzt ging es mir schon erheblich besser und es war möglich, daß ich mich auf den Hunger konzentrierte. Das gelang so vorzüglich, daß ich gleich eine ganze Schlemmerplatte bestellte. Während der kurzen Wartezeit stellte ich fest, daß wohl mit einem netten Sonnenuntergang zu rechnen sei. Ich muß dies offensichtlich vernehmlich ausgesprochen haben, denn das nette Frolleinchen meinte im Vorbeigehen: „wie? was?“. „Wir bekommen bestimmt einen hübschen Sonnenuntergang zu sehen“, entgegnete ich. „Ach, das registrieren wir schon gar nicht mehr…“. Bestimmt schade!

Noch ein paar Minuten später war es soweit. Nein, noch nicht SUNSET, sondern die Schlemmerplatte wurde aufgefahren!

Was bleibt da noch zu sagen? Das schmeckte so, wie das Foto es vermuten läßt. Fisch en gros!

Bis auf die besonders knusprigen, roten  (äußeren) Teile wurde die ganze Platte geplündert. Joiii – das war lecker!

Kapitel 4

Knipst du schon, oder staunst du noch?

Mir konnte niemand ein schlechtes Gewissen machen. Schließlich hatte ich mich den ganzen Tag auf den Fisch konzentriert und jegliche Nahrungsaufnahme verweigert. Dessert ? Nein danke! Schon glaubte ich, daß mir höheren Orts jemand den Sonnenuntergang nicht gönnt. Die Wolken wurden dichter. Wie sich herausstellen sollte, tat es der Gesamtstimmung aber keinen Abbruch.

Es wurde Zeit für die „goldene Stunde“. Die Vorstellung hatte schon begonnen.

!

Kapitel 5

Zählst du noch, oder schläfst du schon?

Je näher ich dem Hotel kam, um so krauser die Stirn. Ich mußte an die eigentümliche und unterentwickelte Belüftung des Zimmers denken. „Terrassen“-Tür auf – und man war mitten auf der Kreuzung. Tür zu – und mein Schicksal war besiegelt. Man würde mich mit verzerrtem Gesicht, heraushängender Zunge am nächsten Morgen finden, wenn ich nicht zum Frühstück erschien. Erstickt! Das Testament ist ja in Ordnung, aber sollte das wirklich schon das Ende sein? Um die nötige Bettschwere zu erlangen, genehmigte ich mir noch ein Flens am Tresen. Das half zwar nicht unbedingt gegen die warme Luft im Zimmer, war aber recht erfolgreich bei der Beseitigung von Bedenken und  genierlichem, beschämenden,  peinlichem , peinsamen,  verklemmten,  genanten Getue. Also Tür auf!

Ein minimaler Lufthauch war zu spüren. Als sich die Innen- und Außen-Temperaturen angeglichen hatten – so bei 26° C, hörte das mit dem Hauchen auch auf. Die landwirtschaftlichen Betriebe der gesamten Region nutzten das von mir mitgebrachte optimale Wetter. Bis kurz vor Mitternacht wurde geschuftet. Die riesigen Schlepper rasten auf der Bundesstraße an meiner Kreuzung vorbei. Schweres Gerät im Gefolge. Das ratterte, polterte und brummte, dröhnte, schepperte und donnerte. Ich bringe niemals wieder irgend jemanden schönes Wetter mit! So bettete ich mein Haupt auf ein großvolumiges Kissen und versank darin. Der sich ergebende wärmende Effekt war eher unerwünscht. So flog das Kissen bald auch ins Nachbarbett. Nun konnte ich mich wieder ganz der Verkehrssituation widmen. Schäfchen zählen ist in einem Landgasthof neuerer Zeitrechnung absolut out. Heutzutage zählt man Fahrzeuge. Ich beschloß mit mir zu wetten, daß ich die Automarken erraten könnte, bevor die Lichter sichtbar wurden und mein Gemach hell erleuchteten. Schon die zweite Wette hatte ich gewonnen. Es war ganz klar ein Porsche. War ja auch ganz einfach. Unverkennbar das pfeifende Geräusch des luftgekühlten Sexylinder-Boxers. Hach, luftgekühlt…. das wäre was gewesen….  Ich wollte mir gerade auf die gewonnene Wette einen ausgeben, als ich feststellen mußte, daß außer einem null-dreier-Fläschle Mineralwasser nichts Trinkbares zu finden war. Wie hieß doch gleich wieder das bösartige Auto bei Stephen King doch gleich? Christine! Der 58er Plymouth Fury war ein Killer. Ich glaube nicht, daß hier so ein Modell herumdüst. Ich hätte also beruhigt schlafen können, wenn ich gekonnt hätte. Nach einer Pause im Verkehr von mindestens drei Minuten (!) erschien mir die schrullige Berlinerin, die mir die Ohren vollsabbern wollte. Ihr Gebiss hatte wohl doch nicht der Beanspruchung des Sprechdurchfalls standhalten können. Oder die Haftcreme hat schmählich versagt. Ist ja auch egal. Auf alle Fälle laberte sie auf den Felgen  Ich schaltete einen Gang höher und meinen Tinnitus ein. Problem gelöst. Und wach war ich auch wieder . So konnte ich auch gerade noch das Taxi sehen, das dem leicht schaukelnden Fahrradfahrer kurz vor meiner Balkontür noch ausweichen mußte. Schon ganz schön spannend, was da so alles abgeht – in meinem Schlafzimmer, in einem Landgasthof, in Streichmühle, in Schleswig-Holstein, in der Ferienzeit.

Irgendwann danach bin dann wohl doch noch eingeschlafen. Aber nur um gegen 6+1 (für die Sommerzeit) schon wieder von den Treckern geweckt zu werden. Völlig schlaftrunken, als hätte ich jede Wette um die Automarken gewonnen und auch eingelöst, taumelte ich dem Badezimmer entgegen. Nun wurde es mir klar. Es ist nur logisch. >>

Das sehr große Badezimmer war behindertengerecht eingerichtet. Ein rutschhemmender Mosaik-Boden, begeh- und befahrbare Dusche. Griffe hier, Halter da, Bügel dort. Die Besitzer müssen wohl Erfahrung mit dem Zimmer haben. Es war auf jeden Fall recht hilfreich. Nach einer dreißigminütigen Duschorgie war ich halbwegs wieder hergestellt. Eigentlich sah ich sogar einigermaßen fit aus. So passabel sogar, daß sich die freundliche Bedienung beim Frühstück getraute nach meiner Nachtruhe zu erkundigen. „Welche Ruhe?“ Wir sind, um die Diskussion abzukürzen, so verblieben, daß ich beim nächsten Besuch Anspruch auf eine Buddel KÖM (oder gleichwertig) habe, um alle meine  gewonnenen Wetten doch noch einzulösen.

Das reichhaltige und schmackhafte Frühstück versöhnte mich halbwegs mit der Welt. Für die bevorstehende Rückfahrt ( 700 km + Stau) war es eine gute Grundlage.