2018

zumindest bei deutschen Weinen ein Ausnahme-Jahrgang. Was bei der allgemeinen Landwirtschaft zu erheblichen Problemen geführt hat, verkehrt sich bei Winzern und Weinbauern ins Gegenteil. Hier gibt es zufriedene bis verzückte Gesichter. In Menge und Qualität gibt es überhaupt nichts zu meckern. Und wenn, dann auf recht hohem Niveau!

Der 2019er ist in Vorbereitung

Eher durch Zufall gerieten wir am 19. Mai 2019 in Kiedrich im wunderschönen Rheingau in die Feierlichkeiten des „Riesling-Festes“.

Feste rund um den Wein kenne ich eher aus dem Sommer und in den „Anbaugebieten“ natürlich auch im Herbst.

Manche nennen es auch „Fest der Kenner und Genießer“. Man wird schnell von der lockeren Athmosphäre vereinnahmt. Schlückchenweise bewegt man sich durch die Vielfalt, bis ein Favorit gefunden ist.

Bevor es dazu kommt, sollten wir uns alte Steine – nicht junge Weine – ansehen.
Weingüter unterschiedlichster Größe und Bedeutung säumen den Weg durch den Rheingau
Es gibt nicht nur Reben im Rheingau.
Hier hofft man auf eine erneute Rekord-Lese

Respekt den Kiedrichern. So früh im Jahr habe ich noch kein Weinfest miterlebt.

Wo der Geheimrat sich rumtreibt

Nein, ich schreibe nicht aus Italien, was ja auch zu seinen bevorzugten Reisezielen zählte und dieser Beitrag u.a. auch von Wein handelt. Johann Wolfgang von Goethe wurde exakt 200 Jahre vor mir geboren.  (Und die paar differenten Monate spielen nun wirklich keine Rolle) Es war der 28. August 1749 , als der große Deutsche das Licht der Welt erblickte. Natürlich auch in Frankfurt! Sonst haben wir beim besten Willen nur noch die leicht überdimensionierte Nase gemeinsam. Im Gegensatz zu mir, wird JoWo an diesem Riechorgan auch sehr schnell erkannt.

Ich bin nicht in Italien, ich lungere in der Heimat herum. Man kennt die Nachbarschaft ja viel zu wenig. Wiesbaden, Hessens Landeshauptstadt, Kurstadt mit Flair, Regierungssitz und -viel wichtiger- das Tor zum Rheingau wollte ich mir vornehmen. Bei der Gelegenheit auch gleich noch im Hofladen meines Vertrauens in WI – Frauenstein etwas Obst zukaufen. Damit mir das niemand vor der Nase wegschnappt, war das mein erstes Ziel. Mit dem Motorrad war ich unterwegs und hatte keinen Plan und keinen Zeitdruck. Goethe hatte es so ausgedrückt: „Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen!“ So gondelte ich fast im Kriechgang die Straße entlang, die sonst wenig Beachtung  findet. Vermeintlich kennt man sich. Die Landschaft des sich langsam verjüngenden Tales zieht an mir vorbei.  Kasiserwetter. Das hätte dem Herrn Geheimrat sicher auch so gefallen.

Gleich am Ortseingang hatte mich eigentlich schon immer der Schilderwlad an einem Weinberg interessiert.

Vielleicht genmanipulierte Trauben? Vor dem Verzehr wird so vielleicht gewarnt? Völlig falsch, Uffnik, total daneben. Bei diesem Weinberg wurden unzählige Rebsorten aus ganz Europa angebaut. Die passenden Legenden und auch allgemeine Informationen dazu auf den Tafeln.

Neben den bekannten einheimischen Sorten,

wachsen hier wirklich exotisch anmutende Trauben wachsen hier ihrer Reife entgegen.
„Der europäische Weinberg“ wird der Wingert genannt. Und passender kann man es auch gar nicht formulieren. Die wichtigsten Weinbauregionen Europas sind mit ihren Weinstöcken vertreten.

Als ich noch so den Gesamteindruck in mich aufsaugte, viel mir ein Denkmal (?) auf, das den gesamten Ort (ich entschuldige mich bei der Wiesbadener Bevölkerung) überragt. Um es gleich noch anzufügen, Frauenstein hat es sehr wohl verstanden sich sich den ländlichen Charakter zu bewahren. Wenn man die vielen Hofläden, Weinbauern, Obstzüchter sieht, die hier ihrer Berufung nachgehen, mutet das noch dörflich an. Auch wenn man zur Landeshauptstadt Hessens gehört, echte Wiesbadener sind die Frauensteiner, die nur durch einen Bergrücken von der pulsierenden Kurstadt getrennt sind, wohl nicht.

Aber was ist das nun für ein Denkmal? Für die Gefallenen 14-18? Ich hielt beherzt einen kleinen Trecker an, der gerade daherfuhr. Überrascht hielt der Fahrer an und gab bereitwillig und überaus freundlich Auskunft. Über den Steinhaufen auf dem Berg, wie man am schnellsten dort hin gelangt, den Weinberg, die Reben, die Frauensteiner und deren Verhältnis zu…. 😉 Na toll, das steht in keinem Wikipedia, was man so alles erfährt. Der gute Mann lief zu einer beachtlichen Form auf. Aber er hatte es wohl eilig. Schon nach einer guten Viertelstunde hastete er mit seinem Traktor wieder von dannen.

Mit reichlich Infos versehen, setzte auch ich meine Fahrt fort. Mein Ziel sollte das alles überragende Denkmal sein. Schnell vorher noch meine Bestellung im Hofladen aufgeben – und schon ging es weiter. So weit, ich gebe es unumwunden zu, bin ich noch nie in den Ort vorgestoßen. 30 km/h sind erlaubt. Ich glaube nicht, daß ich so schnell unterwegs war. Sonst hätte ich bestimmt nicht den Turm


entdeckt, der zwischen Häusern und Bäumen zu mir herunterlugte. Auf felsigem Grund erbaut,

überragt das Bauwerk ganz Frauenstein. Keine Chance an diesem beeindruckenden Bau vorbei zu kommen. Also wieder absteigen, Helm ab, schwere Lederjacke aus, Kamera auspacken und die steilen Stufen der Treppe (neueren Jahrganges) hinauf.

Die angrenzende Mauer, wie selbst der Turm auch, sind mit tollen Quarzblöcken errichtet, die offenbar aus dieser Gegend stammen. Vielleicht machen die ja das Besondere an den hiesigen Weinen aus? Eisen im Gestein ergibt den rostigen Charakter.

Sieht ja richtig wertvoll aus. Oben angekommen,

suche ich vergebens ein Hinweisschild, eine Tafel mit Daten und Fakten. Also gut, vielleicht hilft ja das WWW auch hier weiter. Und tatsächlich werde ich fündig. Ein Verein kümmert sich um die älteste Burg Wiesbadens aus dem 12. Jahrhundert und deren Erhalt.  Leider war der Zugang gesperrt. Niemand rechnete hier mit einem Uffnik.

Aber der Ausblick war auch ohne das Erklimmen der letzten Zinnen nicht zu verachten.

Der Ort kuschelt sich in das Tal. Etliche sehr gut erhaltene und renovierte Fachwerkhäuser sind im alten Ortskern noch zu sehen. Die zweifelthafteste Architektur kann wieder einmal den Banken zugesprochen werden. Deren Architekten es immer wieder und überall verstehen, störende Akzente zu setzen.

Der neuere Teil von Frauenstein befindet sich entlang der Straße in die Hauptstadt. Diese Richtung mußte ich nun einschlagen, wollte ich mein eigentliches Ziel erreichen. Also weiter, runter, rein in die Klamotten und die Fahrt in Richtung Nürnberger Hof fortsetzen. Folgt man den Hinweisschildern, hat man es bald auch schon geschafft. Moped auf dem Parkplatz des Ausflugslokals abstellen und die restlichen Höhenmeter durch Weinberge zurücklegen. Es wurde warm. Motorrad-Stiefel sind für alles Mögliche gut. Aber keinesfalls zum Laufen. Kein Wölkchen wagte es, bayerische Anleihen hier einzubringen. Es blieb einfach bei nur blau.

Fast geschafft eröffnete sich über den Weinbergen ein fantastischer Blick. Zur Linken lag Wiesbaden im Sonnendunst.

Der Blick folgt dem Rhein.

Die beiden rivalisierenden Landeshauptstädte Mainz und WI nur durch den Rhein getrennt. Der Grenzübertritt war aber problemlos möglich. Neuerdings verzichtet man sogar auf Personenkontrollen. Mit einer Ausnahme: auf der ein- oder anderen Brücke wird schon mal ein Foto gefertigt, sollt man den Regeln der Geschwindigkeit nicht genügend Respekt zollen.

Aber was ist denn jetzt mit dem Denkmal? Es brauchte nur noch wenige Meter und das Ziel war erreicht.

Ein paar Stufen noch und man weiß mehr.

Es ist also der Goethe-Stein, der hier alles so überragt.

Zitat Goethe: Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.

Inzwischen wird das Firmament leicht umgestaltet. Einige harmlose Deko-Wölkchen zieren das Bild.

Und wieder läßt sich der Blick über die Weinberge in das Rheintal genießen.

Und wer immer noch nicht genug hat, der kann den in der Nähe befindlichen Aussichtsturm besteigen, der einen Blick über das Blätterdach des umgebenden Waldes erlaubt.Es wird aber Zeit. Ich muß zurück. Meine Bestellung wartet. Noch einige Blicke links und rechts – man wird ständig fündig.

 

Etwas zu spät entdeckte ich noch Beiträge von einem Gourmet, auf den ich aber gerne hinweise.

Auch Frauensteiner Kirschen hatten es ihm angetan. Oder waren es doch die Kirschensteiner Frauen? Wir halten es ihm einfach mal als Bonus zugute, daß er wirklich nur an den künstlerischen Fähigkeiten -worin die auch immer bestanden haben mögen-  der Frolleins interessiert war.

Goethe verstarb am  22. März 1832 in Weimar.

Johann Wolfgang ist immer und überall.

Wieder zu Hause angekommen mußte ich aber feststellen…..

Handarbeit in Hattenheim

Am rechtsrheinischen Ufer befindet sich eine der verkehrsreichen Bahnstrecken Deutschlands. Wenn man schon einmal in der Verlegenheit war, dort einen Bahnübergang überqueren zu müssen, kennt bestimmt die nervende Wartezeit an ständig geschlossenen Schranken. Geduldiges Warten ist angesagt. Man braucht ein ausgeruhtes Nervenkostüm, hat man´s eilig, will vielleicht zum Termin pünktlich sein – der Schlagbaum ist mit garantierter Zuverlässigkeit in der Waagerechten. Geschlossen! Ein Güterzug – das kann dauern. Und richtig, es dauert und dauert sogar noch länger, weil aus der Gegenrichtung ebenfalls noch so ein riesiges Ungetüm angedonnert kommt.

Auf der Rückfahrt von einem Motorradausflug, führte mich mein Weg entlang dieser Bahnstrecke auch nach Hattenheim. Verwaltungstechnisch ist Hattenheim der Stadt Eltville zuzurechnen. Aus der Vergangenheit schmückt sich die DB hier tatsächlich noch mit einem funktionellen Bahnhofgebäude. Das zog im Vorbeifahren meine Aufmerksamkeit auf sich. Friese, Simse, Borten und Sockel aus Sandstein haben es mir halt angetan. Ich mag diese handwerkliche Kunst der längst vergangenen Ära sehr und hielt an, um mir das Teil etwas genauer anzusehen. Als häufiger Kunde  der DB steige ich gelegentlich auch schon mal an Haltestellen ein, die das Wort Bahnhof nicht  einmal andeutungsweise verdienen. Da ist ein (moderner) Bahnsteig. Punkt! Kein Wetterschutz, keine Sitzgelegenheit. Nichts, null niente, nada, nothing, rien. Und hier in Hattenheim Überfluß soweit das Auge reicht. Ja, so war das damals, liebe Kinder. Da war der Begriff Bahnhof auch gleichbedeutend mit dem Gebäude!

Hattenheim ist bahnhofstechnisch gesehen ein Knotenpunkt. Schon fast der Nabel der Welt. Ein Dorado für die 34 Fahrgäste, die hier täglich ein-und aussteigen. Zwar nagt auch hier nun der Zahn der Zeit an der Sandsteinen (bitte Bild durch anklicken vergrößern), aber vielleicht kommt ja einer der 34 auf die Idee, daß dies ein erhaltenswertes Gebäude sei und bringt den Denkmalschutz auf den Weg.

Das Gebäude ist allerdings eher von außen interessant. Freilich, es gibt einen Warteraum, an dem man sogar des Winters die Türen vor der Kälte verschließen kann. Das war aber auch schon die Besonderheit. Als ich dann noch einen Schritt auf den Bahnsteig wagte und einen herannahenden Zug fotografisch fixieren wollte, wurde ich durch ein leichtes Tippen auf die Schulter und mit ausgeprägtem Berliner Dialekt darauf aufmerksam gemacht, daß sich das nicht lohnt. Von der anderen Seite aber sich ein „dicker Brocken“ nähert. Ich hatte die Kamera noch nicht richtig abgesetzt, verschwand der Berliner freundlich grinsend. Wie vom Nichts verschluckt. Und schon donnerte es auch hinter mir. Es nahte ein Güterzug. Herrgott ein Güterzug. Das hat die Welt ja noch nicht erlebt. Ein Güterzug, toll! Wofür hielt mich das Berliner Phantom denn? Aber ich tat ihm halt den Gefallen und knippste muter drauf los. Es haben sich bei meinen 2.2 Terabyte Fotos auf diversen Festplatten schon oft Aufnahmen befunden, die im Nachhinein ….. niemand mehr interessiert haben. Nein, das war natürlich Spaß. Alle Aufnahmen sind natürlich völlig unsortiert ( vielleicht nach Aufnahmedatum ?? ) abgelegt. Wie früher mal in den Schuhkarton, die es in jedem Haushalt gab. Randvoll mit Fotos, wo keiner mehr wußte, wo das war, wann das war, oder noch viel schlimmer – wer das war. Das schafft so viel Raum für Phantasie, daß ich das ausgeklügelte System bei meiner virtuellen und elektronischen Ablage auch übernommen habe.

Aber was erzähle ich hier eigentlich herum, ich wollte doch mit den Fotos glänzen. Güterzug war das Thema, was mich so aus der Kurve getragen hat. Und der fuhr nun geradewegs auf mich zu. Da mich das Thema nicht ins Herz traf, war es letztlich egal, was da für Bilder entstehen würden. So ließ ich die Lok erst einmal herankommen,

um dann zu überlegen, mit welchen Einstellungen dann vielleicht doch noch die Situation zu retten sei. Nach kleinen Veränderungen an der Kamera hatte ich mich festgelegt. Ich wollte die Bewegung sichtbar machen.

und mit einem weiteren Dreh am Knöpfchen, kam die Krönung der ganzen Serie:Ein 437 Meter langer Waggon! 🙂 So´was hatte Hattenheim noch niemals zuvor gesehen. Und wird es auch nicht mehr!

Als ich das Ergebnis hatte, stolz, wie LaFontaine, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mein Berliner hielt mich wohl für so einen Einsenbahnfreak, der alle Loks der Welt sammelt und nach Seriennummer ins Archiv packt. Spotter werden die Kerle in der Fliegerei genannt. (Tausche e-605 gegen D-0815)

Ich machte mich auf die Suche nach meinem persönlichen Ratgeber und stiefelte frech in den Eingang, in dem er vermutlich Zuflucht gesucht hatte. Gefunden. Er saß an einem Schaltbrett für große Jungs und spielte mit der Eisenbahn. Dankbar für die Abwechslung, erklärte er dem Laien die hochkomplizierten Vorgänge in feinstem fach-mandarin. (北方話 / 北方话, 官話 / 官话, 北方方言

Ich verstand immer wieder Bahnhof. (Huch, wie beziehungsreich.) Gleich aber werdet ihr Zeuge ungeheurer Hektik, wie man unschwer an den hastigen, aber gekonnten Handbwegungen erkennen konnte.Es näherten sich gleich zwei Züge und die Sorge für die Schranken ( jetzt habe ich das Geheimnis gelüftet) trieb ihn zu einer Hast, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Galt es doch bei zwei Bahnübergängen für Sicherheit zu sorgen. Mit einem Knopfdruck links und einem rechts, war das auch in nullkommanix erledigt. 68a und 68 b waren gesichert. Nicht einmal die Maus wagte sich noch über die Gleise. Auf den Monitoren sind die beiden Güterzüge (!) zu sehen, die für die Hektik verantwortlich zeichneten. Telefonisch wurde dann schnell noch der Kollege, zuständig für 67a und 67b, informiert, dasser durch ist – oder so.

Kaum, daß das Gespräch beendet war, donnerte einer der beiden Züge auch schon vor der offenen Tür vorbei.

Und als dann in Hattenheim wieder Ruhe herrschte, wurde die Bahnübergänge ( 68a + b) endlich wieder geöffnet und der Stau an den Schranken begann sich aufzulösen.Die nächsten fünf Minuten sollte Ruhe herrschen. Zeit genug meinen Glauben auszutreiben, es sei Handarbeit, was hier geleistet wird. Schließlich genügen doch zwei Knöpfe. Der Rest sei elektronisch geregelt. Handarbeit wäre, wenn noch an den schweren Kurbeln zu drehen wäre, um die Schranken zu bewegen.

Ich bange nun um den Arbeitsplatz eines so erntshaften und freundlichen „Eisenbähners“ . Was, wenn auch der Knopfdruck noch verautomatisiert wird?

Wenn ihr nach Hattenheim kommen solltet, grüßt ihn ganz herzlich von mir.

Der Rheingau: EBS European Business School gGmbH

EBS European Business School gGmbH
EBS Universität für Wirtschaft und Recht i. Gr.

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ein verführerisch schöner Herbsttag kündigte sich an.

Keine ernst zu nehmende Wolke am Himmel, die Temperaturen schon in den Morgenstunden sehr angenehm. Zum Frühstück gab es neben einem bezaubernden Sonnenaufgang auch die ersten Zugvögel zu beobachten.

Toll, so ein freier Tag – einfach mal zwischen durch. In Gedanken war meine Planung für den Tag fast fertig gestellt, als ich aus meinen süßen Träumereien zurückgeholt wurde.  Jemand, der es immer besser weiß, kam mit einer merkwürdigen Fragestellung daher: „Hast du schon…..?“ . Auch versteckte Feststellungen können Planungen ganz unschön durcheinander bringen: “ Wir (das bin meistens ich) müssen auch noch …….und …….“. Dabei könntest du (das bin ebenfalls ich) auch gleich noch ….+….“.  OK, der Vormittag war kaputt. (Das kommt davon, wenn man im Stadium der Werbung zu tolle Versprechungen macht oder diese sogar mit Verwöhnaroma umsetzt. Das klebt an einem.) Im Frühstücksfernsehen erzählten die gerade mal was von sich verschlechterndem Wetter. Na klar, immer auf die Dicken.

Nun beschloß ich dann doch noch den Rettungsversuch für einen Teil des Tages. Hektisch wurde das Frühstück beendet. „Hunde, wir gehen Gassi!“ Die Runde für >nasse Tage< besteht aus asphaltierten Feldwegen und dauert unter normalen Umständen rund eine Stunde. Zeitlich kann man dies aber auch auf die Hälfte komprimieren, wenn die Vierbeiner nicht nach Mäusen oder Kaninchen buddeln, ich meine Kamera zu Hause lasse und den Rentnerschritt gegen das forcierte Businessmarschtempo austausche. Es wurde aber doch etwas später, da sich eine meiner Tölen nicht mit dem Karnickel einigen konnte, wer nun die weiße Fahne hisst und endlich aufgibt.

Danach halt noch dies und das. Nicht zu vergessen die Kleinigkeiten, die da noch mit erledigt werden konnten. Fertig! Fix und fertig. Es war dann doch 13 Uhr geworden und der Magen rührte sich. Also dann doch erst noch …….. Mahlzeit!

Nun aber los, bevor sich der Wetterverantwortliche es sich noch einmal anders überlegt. Motorrad startklar machen, Montur anlegen, Visier noch einmal putzen, Objektivwechsel auf Reisezoom bei der Kamera, alles verstauen und los kann es gehen. Oh, tanken muß ich auch noch. So verrinnt die Zeit. Meinen schön gebastelter -ohnehin schon reduzierter, nein eher kastrierter- Reiseplan konnte ich knicken. Das reicht nicht mehr. Ich wollte am Rhein entlang bis Koblenz, die Mosel hoch und dann irgendwo nach links, Richtung Heimat wieder abbiegen. Völlig gleichgültig, wie weit ich wirklich komme, aber wenn ich nun nicht losfahre, brauche ich gar nicht erst mehr weg.

Die ersten Kilometer bis Wiesbaden auf der Autobahn. Dichter Verkehr am Frankfurter Kreuz, danach ließ ich die Verzögerer einfach hinter mir. Bald dann auch schon, hinter Wiesbaden, war das Autobahnende erreicht und auf der hervorragend ausgebauten Bundesstraße 42 ging es weiter am Rhein entlang.

Ich war losgezogen, einige Herbstimpressionen zu pixeln und als Bit und Byte zu abzuspeichern. Den Weinbauern an der Mosel wollte ich über die Schulter schauen, wenn sie ihre Vorbereitungen für die Lese voranbrachten. Aber was gibt´s an der Mosel, was nicht auch im Rheingau möglich wäre. Runter von der Uferstraße und rein in die Dörfer und Städtchen. Vorbei am  Schloss Reinhartshausen weiter entlang der Weinberge. Weithin sichtbar taucht auch hinter einem von Mauern umgebenen Weinberg ein Turm auf, der einer Burgruine zuzurechnen ist. Der Wilde Wein überzieht fast schon den gesamten Turm und leuchtet in herbstlichen Farben. Zwar hat sich die Sonne mittlerweile hinter eine Wolkenfront zurückgezogen, bringt aber mit ihrem diffusen Licht noch immer eine wohlige Wärme zustande. Nur für Fotos hätte ich mir einen gebläuten Hintergrund gewünscht. Runter vom Moped und erst einmal schauen, mit was ich es hier zu tun habe. Sehr großer Parkplatz gegenüber, gut belegt. Für ein Motorrädchen ist aber immer noch Platz. Entlang der antiken, bemoosten und überwucherten Außenmauer

gelangt man zum Hauptportal oder zu einem Nebeneingang. Ja, was war das nun ? der Nebeneingang gab erst einmal Rätsel auf. Ein, für meine Geschmacksnerven potthässliches,  Gebäude stellte sich mir entgegen. Fast abschreckend. Aber so schnell gebe ich doch nicht auf! Ein Hinweisschild war auf den ersten Blick auch keine Offenbarung des Johannes. Christliche Motivation schloß ich aus. Bei näherer Betrachtung hüpfte mir der Name  eines CDU-Mannes entgegen, den ich (ich weiß gar nicht warum) sofort mit Geld in Verbindung brachte. Das Ganze hat also mit Bestimmtheit etwas mit der Wirtschaft zu tun. Und im Rheingau gibt´s ja eine ganze Menge davon. Hörsäle gaben einen weiteren Hinweis. Ich hatte die erste deutsche PRIVATE UNIVERSITÄT entdeckt. Nachmittag am Donnerstag – da geht doch nun sicher nicht mehr so viel. Das motivierte meinen Eintritt. Entlang der Ausgeburt architektonischer Schaffenskraft gelangte ich wieder zum Turm der Ruine.Angrenzend ein Fachwerkgebäude, was ein harmonisches Ganzes ergab.Eine gepflegte Anlage mit einem alten Baumbestand und neueren Gebäuden, die aber das Gesamtbild nicht deklassierten. Fast parkähnlich, aber ohne Kurtaxenflair. Hier das alte Wirtschaftsgebäude, in dem sich heute u.a. die Mensa befindet. Bei den Autokennzeichen, war die gesamte Republik vertreten.

Wieder zurück zeigt sich das große, schreckliche Gebäude von seiner etwas freundlicheren Seite, die übrigens auch von besagter Bundesstraße aus zu sehen ist:

Gleich nebenan gedeihen Reben und warten auf die letzten Grad Oechsle, bevor gelesen wird. Der Weinberg zieht sich hinunter Richtung Rhein. Später stellte sich heraus, daß das gesamte Anwesen zum Kloster Eberbach gehörte.

Auf Bänken im Park sitzen Studenten mit ihren Notebooks und ersetzen damit den antiquierten Notizblock und sogar einen Teil der Bibliothek, wie man mir mitteilte. Fremdartige Gesichtszüge und unbekanntes Sprachenwirrwarr im Garten betonten den internationalen Charakter der Business School.

Weiter mit dem Rundgang, komme ich an etlichen Antikchen vorbei.

Der Zahn der Zeit hat am Sandstein teils doch schon heftige Spuren hinterlassen.

Diese Tafel ist am Haupteingang zu lesen und gibt kurz und knapp ein wenig Historie preis. Wieder auf der Straße in letzter Blick zurück…..Freilich kann ich mit meiner Stippvisite nichts über Lehrpläne, Inhalte und und und berichten. Dazu klickt besser einmal die Homepage http://www.ebs.edu/ an. Hier gibt es viel Wissenswertes rund um diese Einrichtung.