Felsendingsbums in Wunsiedel

Das Felsenmeer gibt es dem Namen nach ja mehrfach in Deutschland. Das Original ist mit sagenhafter Genauigkeit im hessischen Odenwald zu finden. Dafür stehen die Nibelungen mit ihrem guten Namen.

Als es heute wieder einmal fürchterlich zu regnen begann, erinnerte mich das frappierend an unsern Urlaub im Fichtelgebirge. Wegen des Wetters hätten wir sicher nicht dorthin gemußt. Als ich noch so sinnierte, fiel es mir wieder ein, daß ich eine Information für die Wandersleut unter den Qypern noch schuldig bin. Um dem Wetter am Urlaubsort -Fichtelberg- zu entfliehen, beschlossen wir (wir=meine Frau) nach Waldsassen zu fahren. Dort soll es eine wunderschöne Barock-Basilika geben. Auf halbem Wege dorthin verlangten unsere beiden Hunde nach Bewegung. Wir waren auf der hervorragend ausgebauten Bundesstraße 303 unterwegs und der Abzweig nach Wunsiedel kam da gerade recht. Reichlich Wald gab es ja auch.

Auf gepflegten Wegen ließ es sich trotz der nassen Witterung sehr gut marschieren. Mit noblem Splitt aus Granit waren die Hauptwege auch für unser -an diesem Tage recht leichtes Schuhwerk- bestens geeignet. Schließlich hatten wir keine Wanderung vor, sondern wollten uns einen Ruhetag durch einen Stadtbummel und einige Besichtigungen angenehm gestalten.

Der Hinweis, den ich schon bei der Abfahrt von der Bundesstraße gesehen hatte, fiel mir wieder ein. So machten wir auch schließlich kehrt und mit dem Auto ging es noch ein kleines Stück am Wald entlang. Ein großer Parkplatz präsentierte sich uns mit gähnender Leere. Das Gebäude war der  Ticketverkauf für die Wunsiedeler Festspiele, die seit 1914 auf der wunderbaren Naturbühne stattfinden.

Nur wenige Meter weiter

dann schließlich der Wegweiser zum Felsenlabyrinth. Ich wollte nun doch den Unterschied zwischen dem (fast) heimischen Felsenmeer und dem hiesigen Labyrith ergründen.

Oh ja, Unterschiede gibt es. Gewaltige sogar. Was als Erstes auffällt, ist die elektronische Information in einer Felsnische.

Das ist ja sowas von daneben, daß ich mir das Wunderwerk der Technik noch nicht einmal angesehen habe. (Trotz meines sonst recht ausgeprägten Interesses für innovative Techniken) Wie wäre es denn mit ein paar landestypischen Holztafeln??

Na gut. Na schön. Am Kassenhäuschen bemerkte ich, daß die Saison schon begonnen hatte. Das allerdings muß für die Beteiligten doch relativ überraschen gekommen sein. Es gab einen unübersehbaren Hinweis, daß die Routen noch nicht vollständig hergerichtet waren. Außerdem fand ich den Tipp der Dame mit dem einnehmenden Wesen recht hilfreich, daß der Weg für Hunde nicht wirklich gut zu bewältigen sei. Gitterroste, Brücken und Stege, machen es nicht einfach, einen Hund zu führen. O.K. Ich ging alleine. Meine Frau stillte direkt gegenüber ihren Kaffeedurst auf einer überdachten Terrasse des Restaurants/Hotels.

Ich machte mich alleine mit meinen Salonpumps auf den Weg. Und der ging auch gleich hinter dem Eingang richtig zur Sache. Das noch nasse Laub bekam zusätzliche Schmierung durch kleine Regenrinnen, die die Menge an Wasser nicht fassen konnten.

Ja, das ist der Weg ins Felsenwirrwarr. Über Stock (Wurzeln) und Stein (Felsen) – sprichwörtlich.

Wunderbar, wie sich die starke Natur, trotz Tourismus und sonstigen Eingriffen doch behaupten konnte. Ja sogar zurück eroberte Sie so manchen Felsblock und bedeckte ihn zunächst mit Moosen.

Die nächsten Meter waren ein Klacks. Auch mit leichtem Schuhwerk problemlos. Und meine Tölen hätten es sicher genossen. Es sollte aber schon noch etwas anspruchsvoller werden.

Die ersten Treppen und Übergänge standen an und spätestens bei den Metallgittern wäre wohl Schluß gewesen. Besser so! Wohin man nach ein paar weiteren Minuten auch schaut, der kunstvolle Bewuchs an Sträuchern und Bäumen auf den Granitfelsen ist gewaltig imponierend. Welche Kraft Wasser, Frost und das Wurzelwerk der Bäume besitzen, wird hier durch Terrassen, Risse und Absprengungen sichtbar.

So, jetzt nur keine Müdigkeit vorschützen. Hier muß ich durch. Oh jeh.

Aber es ging ja gut. Den Rucksack hätte ich aber genau so gut auch unten lassen können. Es steigerte sich nun doch.

Und das sind dann auch die weiteren Unterschiede zum Felsenmeer. Im Odenwald hat es keine Aufstiegshilfen, Treppen, Stiege, Übergänge. Ich muß aber einräumen, daß ich für diese Hilfe recht dankbar war, zumal es mir an alpiner Erfahrung mangelt.

Wie lange der Aufstieg gedauert hat, weiß ich nicht mehr. Vielleicht 30 Minuten? Vielleicht eine 3/4 Stunde! Und daß mir niemand auf die Idee kommt, dies auf die schlechte Kondition zurückzuführen. Es waren einzig die mehr als 100 Fotos, die ihren Zeittribut forderten.

Trotzdem war ich froh, das Dach der Wunsiedeler Welt erreicht zu haben.

Luja sog i. Da waren doch tatsächlich noch eine handvoll Unverdrossene unterwegs. Die hatten offenbar sich für den noch steileren Weg entschieden. Die winzige Hütte kam mir gerade recht. Schweißtreibend war der Aufstieg. Mußte man doch die Regenjacke immer schön geschlossen halten, damit der Foto darunter kein Wasser abbekommt. Also erst einmal entblättern, bevor es an die Aussicht geht. So sehr viel Hoffnung brauchte ich mir nicht zu machen; die Wolken waren etwa auf dem Niveau, daß auch Spatzen nur zu Fuß unterwegs waren.

Aber schon wenige Minuten später lichtete sich das Szenario, wie vorbestellt.

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Etliche Aufnahmen später schlich sich der Gedanke bei mir ein, daß mein Weib sicher schon im Koffeinrausch sein müßte. Es war Zeit an den Abstieg zu denken. Dieser führte auf einer anderen Route nach unten. Man kam an neuen Formationen vorbei.

Und auch abwärts gab es wieder Brücken,Treppen, die kunstvoll in den Fels eingebaut sind. Hatte ich schon erwähnt, daß das Felsenmeer eher naturbelassen ist?

Je weiter man wieder nach unten kam, desto gemäßigter wurde auch die Strecke. Alles in Allem war es eine anregende Tour, die den Alpinisten oder auch nur den Gebirgswanderer vor keine unlösbare Aufgabe stellt.

Die Ebene und meine 3 Mädels hatten mich wieder.

Felsenmeer

Die Temperaturen lagen im unteren zwei-stelligen Bereich, der Himmel war bedeckt. Und das sollte so bleiben, wenn man den Wetterfröschen glaubte.

Wir hatten den Job der Großeltern übernommen, ein Wochenende die Enkel zu hüten. Nun will man ja den lieben Kleinen etwas bieten. Nintendo-Meisterschaften werden mit uns nicht ausgetragen. Überschüssige Kräfte sollen die mal schön in der Natur abbauen. Also wurde das Felsenmeer als Ziel herausgedeutet. Welcher Junge klettert denn nicht gerne?

Ein Stück Autobahn, ein gutes Stück Landstraße ( die „Alte Bergstraße“ ) sollte es sein, dann aber Umleitung und das zog sich. Dafür hatten sich aber auch die Meteorolügen leicht verschätzt. Es wurde wärmer als prognostiziert. Und auch die Sonne blinzelte schon ab und zu einmal durch die Bewölkung. Als wir schließlich am Felsenmeer ankamen, war der Parkplatz schon recht gut belegt. Das sich permanent verbessernde Wetter lockte viele Ausflügler an. Alle von der gleichen Idee beseelt, es könnte ja eigentlich nicht so stark besucht sein – bei einer solchen Vorhersage.

Jetzt waren wir da und es war den Enkels ziemlich egal ob leer oder voll. Begrüßt wurden wir von einer Art Wurzel-Sepp.

Der ist dem Informationszentrum zuzurechnen. Für Besucher, die etwas über die Entstehung, die Mythen und Sagen, die sich um das Felsenmeer gewoben haben wissen möchten, können hier ihre Neugierde befriedigen. Nebenan gibt´s für den Wanderer und Kletterer auch Speis´und Trank.  (Dazu später mehr)

Voller Tatendrang rannten die Kleinen den Hang hinauf, um oben etwas außer Puste an der Siegfried-Quelle anzukommen.

Der Sage nach, ist hier der Nibelungen-Held von Hagen von Tronje hinterrücks gemeuchelt worden.

Nun steht die eigentliche Herausforderung an. Das erklimmen des Geröllfeldes. Der älteste der Bengel rannte los und erklomm Fels um Fels – wie eine Bergziege. So viel Begeisterung durch ein paar Granitblöcke. Vergessen die Autorennen und fiktiven Abenteuer auf Nintendo und Computer. Natur ist halt live und nicht durch Irgendwas zu ersetzen. Seine Brüder – deutlich jünger – bemerkten das Verschwinden nicht einmal. So beschäftigt und fasziniert waren auch sie.

Viele deutlich ältere Besucher konnten sich ebenfalls der euphorischen Stimmung nicht entziehen und versuchten sich als „Reinhold Messner des Odenwaldes“.

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Immer stärker frequentiert und beklettert war das beliebte Ausflugsziel. Das Wetter verbesserte sich minütlich. Nicht alle Besucher waren jedoch für Klettertouren ausgerüstet. Ich sah Etliche, die mitten im Geröllfeld mit Sandalen oder Flip-Flops unterwegs waren. Leichtsinn! Für solche Leute gibt es links und rechts von der Felsenansammlung einen Weg, auf den man deutlich bequemer die Strecke zurücklegen kann. Festes Schuhwerk ist aber auch hier anzuraten.

Ach ja, für Hunde nur sehr bedingt geeignet!

Was macht überhaupt unser Kletterkünstler? Den hatten wir längst aus den Augen verloren. Ein scharfer Pfiff durch die Finger und alle hielten inne. Kein Muskel bewegte sich auf dem ganzen Hang. Auch der Kletter-Enkel blieb stehen. Als er mich – viel weiter unten- entdeckte, winkte er, drehte sich um und rannte weiter den Berg hinauf. Die übrigen Neugierigen setzen sich auch wieder in Bewegung. Da es den beiden Kleinen allmählich zu viel wurde, mußte ich den Vorauseilenden schnellstmöglich einholen. So nahm ich den steileren der beiden Fußwege – mit Naturstufen ausgebaut. Als ich wieder in seiner Nähe war, ein erneuter Pfiff und eindeutiges Handezichen zum Abstieg. Keine Reaktion. Noch ein Versuch mit taktischen Handzeichen: „Sammeln“ und zwar „Marsch, marsch“! Erfolglos, er hatte noch nicht gedient!

Die Kommunikation per Zuruf war dann das letzte Mittel. Als mir aber dann auch noch der absolute Befehl zur Rückkehr hinterfragt wurde, drehte ich mich um und begab mich wieder auf dem Weg nach unten. Einfach nicht darauf reagieren. Bei meinen Hunden hilft´s immer. Hier auch !

Und prompt setzte er sich talwärts in Bewegung. Er wollte partout nicht auf dem Weg gehen und so verabredeten wir uns im Imbiss / Cafe des Info-Zentrums.

.Dort veranstalteten die Früh-Rückkehrer ein Festival in Pommes. Klettern macht hungrig.

Während der Pommes-Orgie gab es noch einmal Gelegenheit die herrliche Landschaft des Odenwaldes zu genießen

Dann kam auch der Klettermax. Völlig geschafft, mit hochrotem Kopf. Meine Sicherheitsinstruktionen hatte er befolgt. „Niemals bergab rennen!“ Das war sein Grund für das spätere Eintreffen. Trotzdem, Pommes mußten auch für ihn geordert werden, obwohl für das Abendessen ein Tisch bei Francesco reserviert war. Es blieben ein paar Kartoffel-Stäbchen liegen. Inzwischen völlig kalt. Eines davon hatte gereicht. Geschmackstest nicht bestanden!

Trotzdem ein ein schöner Tag mit viel Action und drei schlafenden Enkeln auf der Weiterfahrt. Den Tisch da Francesco haben wir abgesagt. Schlaft gut! Wir wecken dann in Heppenheim.