Etwa 500 kg Koks

waren die durchschnittliche Menge, die in den 50er Jahren in unserem Heizungskeller eingebunkert wurden. Direkt vor dem Haus hielt das Pferdefuhrwerk und über eine Stahlrutsche wurde der Brennstoff in den Keller transportiert. Ein Mann mit Schippe oben, etwas Schwerkraft in der Mitte und ein Mann mit Schippe unten.

In vielen Städten war die Versorgung mit Koks nicht auf kurzen und eher bequemen Wegen möglich. Dort wurden Kohlen und Koks in Säcken trasportiert und mussten oft genug recht weit geschleppt werden.

Die Frankfurter Rundschau veröffentlicht Hilferuf

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass der Bericht vom 16.Januar 1963 datiert.

Wie sehr sich die Zeit gewandelt hat, zeigt schon die Tatsache, dass Koks heute in kleinen Tütchen verkauft wird. Bestimmt ist das der damaligen Personalknappheit geschuldet.

Spendenautomat

Durst fängt zwischen den Ohren an. Je näher Ich dem Ziel meiner Reise kam, desto wilder wurde das Verlangen nach einer überteuerten Mass. Vielleicht klappt es ja auch noch mit einem Wiesenhendel.

Endlich. „Minga“ war erreicht. Arbeit erledigt! Das große Fest auf der Wiesn wartet.  Jetzt nur cool bleiben. Am schnellsten geht’s mit der Tram und dann die U4 oder 5 ab Stachus.
Speziell für Nostalgiefans hat man die Wagen der sagenhaften Linie 8 aus dem Museum geholt und wieder auf die Menschheit losgelassen.

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Zeit für ein Ticket hatte ich nicht mehr. Voller Ungeduld klimperte der Fahrer schon mit der einsilbigen Glocke. Nix wir rein. „Bing“ – der Wagen war besetzt und rollt rumpelnd durch die Stadt.  Gleich eine scharfe Kurve. Ich klammerte mich krampfhaft irgendwo fest. „Oh, Entschuldigung…“. „Iss scho recht….!“

Die Fliehkraft war ganz enorm. Als sich die Situation normalisierte, ging ich zum Ticketautomaten um ein Billett zu lösen. mvg1.jpeg

Passend € 2,60 klimperten hinein. Beim letzten Zehnerle kam mir das 2-Euro-Stück wieder entgegen. Nochmal nachfüttern. Die Kiste spuckte die 50 Cent aus und behielt den Rest. Kein Fahrschein, kein Geld zurück. Nach Rückfrage beim Fahrer wurde mir erklärt, dass es keine Spendenaktion gäbe und das auch nicht der richtige Apparat dazu, gesetzt den Fall, es wäre doch eine Spende.
Ich sollte mir doch die Nummer merken und telefonieren. Es war also doch eher eine Spende, oder sollte ich -nur um den Fahrpreis wieder zu erlangen vielleicht noch einen Tag Aufenthalt anhängen? Nach reiflicher Überlegung verwarf ich diese Verlockung und beobachtete statt dessen das weitere bunte Geschehen am Kassenautomat. Die Dame, die kurz nach mir ihr Glück versuchte, glaubte sicher, sie sei in eine Spielhölle eingesteigen. Schon beim Einwurf ihrer zweiten Münze spuckte die Kiste den Jackpot aus. Meine 2-€uro- Münze. Ich glaubte ein Grinsen bei ihr festgestellt zu haben.

Der Fahrer hatte ob der laufenden Belästigungen die Faxen nun aber doch dick und versah den Münzeinwurf des armlosen Banditen mit einem kräftigen Klebestreifen. mvg4.jpeg

So rumpelte die Tram weiter bis zum Stachus. Meine fotografischen Beweise hielt ich für auskömmlich, um den eventuellen Kontrollettis den Nachweis für meine Zahlungsbereitschaft liefern zu können. Unbehelligt, aber völlig dehydriert erreichte ich mein Ziel :

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Nach der zweiten oder dritten Mass waren die Spende und die Schwarzfahrt vergessen.

Noch mehr Überwachung

Der Parkplatz an der Autobahn A-9 mit ca. 30 Kameras überwacht.

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Na gut.

Aber nun auch noch das Pinkolatorium??

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Da geht mir ganz allmählich der Humor zur Neige, lieber BND, CIA, NSA….. Oder wie die ganzen Spanner sich schimpfen.

Hat’s denn wenigstens gefallen, was ihr zu sehen bekamt?

Alex, bitte!

Guten Tag, zum Alex, bitte. So begrüßte ich den Taxifahrer, der mich beim Kunden abholte.

Vor dem Rückflug, hatten die Götter den Hunger erfunden. Der restliche Sonntagskuchen vom ersten und einzigen Frühstück wollte partout nicht lange anhalten. Schon seit Stunden plagte mich ein bodenloses Loch in der Magengegend. Deshalb auch zum Alexanderplatz. Dort hatte ich letzte Woche den schon fast fertiggestellten Weihnachtsmarkt entdeckt. Da gibt´s mit Sicherheit genügend Füllstoff.

Schon die Fahrt mit dem Integrations-‚Chauffeur war ein reines Vergnügen. Er fuhr vom östlichsten Osten Berlins mit einem recht markanten Fahrstil Richtung Downtown. Er benutzte das Binärgas. ( Es gibt lediglich  NULL und EINS. ) Ich bin sicher kein zaghafter Autofahrer, aber das war wirklich eine Vorstellung, die man nicht versäumt haben sollte. Ein vorsichtiger Blick auf die Nadel zeigte teilweise bis zur 100er -Marke. Allerdings nur bis zur nächsten Ampel. Die zeigte aus einleuchtenden Gründen ROT. Es nutzte dann die Binärbremse. Logisch – oder? Und unterhaltsam war er auch. Mit rackiger (rauchzart) Stimme und neudeutschem Akzent versuchte er Konversation zu machen. Es hätte sich besser mit der riesigen Ikone unterhalten, die er auf dem Armaturenbrett angetackert hatte.  Meine rumänischen Sprachkenntnisse, ich muß es gestehen, sind leider nicht so perfekt, wie es eine Taxifahrt in Berlin voraussetzt. Auch mein Tinnitus verhinderte tiefschürfende Antworten, weil die wenigen verständlichen Worte, die es bis an mein Ohr schafften, vom Pfeifton des Teekessels niedergemacht wurden. Apropos Tee – Ein Jagertee wäre auch eine Idee…..
Kurz vorm Ziel, an einer roten Ampel (!) hampelte ein Mann auf der Fahrbahn herum. Man muß Taxidriver sein, um die rudernde Armbewegung richtig zu deuten. Der arme Kerl suchte ein Taxi. Frage vom Piloten, ob ich Einwände hätte, die „Person“ mitzunehmen. Erst jetzt kam der Blutdruck wieder in die Region, die ein halbwegs rationales Denken zuläßt. Ich nickte. Und schon riß der Kerl am Steuer die Beifahrertür auf und brüllte auf den Unwissenden ein, daß er mitfahren könne. Der wiederum stürmte auf die hintere Sitzreihe zu und war recht erstaunt, daß da ein Uffnik saß, der sämtliche Griffe mit stahlharter Faust umschlossen hielt. Man will ja schließlich nicht das binäre Gleichgewicht verlieren. Die Ampel wurde grün und irgendwie schaffte „die Person“ den Einstieg dann doch noch. Und schon ging es im gewohnten Fahrstil die restlichen 200 Meter weiter. Mit kurzem, aber durchdringendem Pfiff blieb die Droschke stehen. „Sie brauchen sicher eine Quittung“ wurde ich schon während der Fahrt gefragt 😉 – ein Schelm, wer böses denkt. Die Quittung war schon lange fertig, bevor das Ziel erreicht war. Was es kosten durfte, war mir allerdings von etlichen vorangegangenen Besuchen bekannt. Die Rotphasen der unzähligen Ampeln nutze er für die Schätzung und den Schreibkram.

Ich war doch recht froh, daß das Frühstück nicht so lange angehalten hatte. So ein digitaler Taxi-Trip braucht einen leeren Magen.

Zu Füßen des roten Rathauses breitet sich einer der Weihnachtsmärkte aus.

Vor Einbruch der Dunkelheit übt ein solcher Auflauf nicht den geringsten Magnetismus aus. Es sei denn, man hat Hunger. Das Getümmel war – kurz nach der Eröffnung- noch recht überschaubar. Keiner, der Zuckerwatte auf der Jacke verteilt, niemand, der Glühwein überkippt oder Jagertee verstolpert. So führte mich mein Weg auch von handwerklich geprägten Ständen

über eine Fischräucherei

dann doch erst einmal zum Glühwein. Am ersten Stand war er, glaube ich, am leckersten.

Durst ist bekanntlich schlimmer als Heimweh. So kam auch der Hunger erst an zweiter Stelle wieder zum Vorschein. Nach dem Aperitif mußte es etwas Handfestes sein. Was liegt näher, als dem laut schwelenden Streit um die beste Curry-Wurst Deutschland einmal eine  persönliche Richtung zu verpassen. Meinen letzten Favoriten hatte ich mit Freund Malte in Hamburg bei einer Neueröffnung entdeckt.

Sehr lange mußte ich nicht suchen. Echte zeichnen sich dadurch aus, daß sie ohne Pelle daherkommen. Nicht einfach eine Bratwurt zerkleinern und ein büschen Krams drauf. Nee, so muß Curry-Wurst:

 

Was soll ich sagen, das war einfach prima. Oder war es nur der überdimensionale Hunger, der es hinunter trieb? Wie dem auch sei, scharf war´s allemal. Da hilft sicher ein Glühwein.

Mir ging es wieder gut. Allerdings begann sich die Welt zu drehen. Grell und bunt

hier war ich doch schon ´mal…

Ein Vorteil von Glühwein ist, daß man mit etwas Übung selbst Radiowellen wahrnehmen kann. Fernsehen ist schon etwas schwieriger. Aber hier läuft gerade „Schlechte Zeiten, schlechte Zeiten…“

Weiter führt der Weg über den Weihnachtsbasar.

Das Kreiseln wollte kein Ende nehmen. Das sagte sich sicher auch das kleine Pony, daß ohne Kommando hinter den anderen anderen her rannte.

Santa hatte sich gerade mal eine Pause gegönnt, ich glaube, ich habe ihn beim Glühwein gesehen. Sein Gefährt parkte er aber noch vorschriftsmäßig, bevor der Durscht ihn übermannte.

Als mich dann zum vierten Mal das galoppierende Schwein überholte und mir auch noch hämisch grinsend die Zunge herausstreckte, wußte ich, daß es Zeit wurde zu gehen. Meine Begeisterung für Weihnachtsmärkte hält sich in Grenzen. Aber ich habe ja auch noch 4 Wochen Zeit ein Fan zu werden.

Teil I einer traurigen Geschichte – Das alte Rathaus in (Dreieich) Sprendlingen

„So schläächt wie dem Datz sein Mobbes“

-oder das versilberte Rathaus

Und wieder melden sich heute – außerhalb der Gassipfade – Sally und Alice zu Wort.

Dreieich ist eine Kunstgemeinde und besteht aus 5 Stadtteilen. Der einwohnerstärkste und größte Stadteil ist Sprendlingen. In der Historie war Sprendlingen bekannt als das Dorf der Maurer und Pflasterer.

Also lange bevor Sprendlingen Stadt und schließlich daraus Dreieich wurde. Da war die Welt auch noch in Ordnung. Derbe Späße waren an der Tagesordnung und man erzählt sich Geschichten, die heute unvorstellbar wären. Eine Stadt, die nicht verschuldet ist. Wau, wo gibt´s denn so was? Wo noch jeder den anderen achtete und auch auf ihn achtete.
Der „Pfläster“ Karl M. hatte extrem große Füße. Man sagte ihm nach, seine Schuhe hätten die Größe eine Nummer keiner, als ein „Maabootsche“ (Das sind die kleinen Ruderboote, die man sich in Frankfurt am Mainufer für eine Kahnpartie ausleihen konnte.) Dieser Karl hatte in Frankfurt zu tun und stolzierte über die Einkaufsmeile, die Zeil. Schaufensterbummel. Abgelenkt und geblendet vom großstädtischen Warenangebot achtete er wenig auf seine Umgebung. Und da passierte es. Er trat mit seinen „Maabootschen“ den Schoßhund einer vornehmen Dame platt. Aus die Maus. Zu seiner Entschuldigung sagte der baumlange Handwerker bei der Polizei aus: „Isch honn awwer aach gedenkt, was träät ich ja so mell!“
Da nicht im Entferntesten zu erwarten ist, daß heute noch jemand in der Lage ist, dies zu verstehen, hier gleich die Übersetzung :
„Ich habe mir auch gedacht, als es passiert war, ich trete ja so weich!“
Ja, so waren die Sprennlenger in der guten alten Zeit.
Und diesem Menschenschlag wurde vor wenigen Jahren sogar ein Denkmal gesetzt.

Das steht nun direkt neben dem ehemaligen Rathaus (Dazu später mehr)

Gleich nebenan sitzt ein kleiner Hund, der die Tagesverpflegung für den Plästerer bewacht. Er wollte uns nichts abgeben. Auch sonst ist es ein sehr sturer Kerl. Ich glaube, der hat sich nicht einmal bewegt.
Das muß der Mobbes sein, von dem hier die Alten oft reden.

Wer aber ist ( oder besser war ) denn der Mobbes:

Das ist also geklärt! Mobbes war ein echtes Dreibein. Der freche Spruch, der von ihm abgeleitet wurde: „So schläacht, wie dem Datz sein Mobbes“, der paßt aber auch noch sehr gut in die heutige Zeit. Meint der Spruch doch die Besserwisser, die vermeintlich Superschlauen.

Was sich die Bürger vergangener Zeiten erschufen, hatte leider in der neuen Zeit keinen Bestand mehr und wurde verzockt. Die „Schläächten“ saßen im wunderschönen Rathaus

und überlegten, wie sie die Stadt herunterwirtschaften könnten.

Einige großartige Ideen wurden umgesetzt. So auch – wahrscheinlich im Zeichen der Globalisierung, aber deutlich vor der Bankenkrise- mußte ein neues Rathaus her, weil das alte ja alt war. Und außerdem mußten mehr Verwalter verwalten, was mit weniger Verwalter gar nicht erforderlich gewesen wäre. Man brauchte also mehr Platz. Um ein neues Rathaus zu finanzieren, wurde das alte verkauft! Wau. Da wurden die so genannten Rückbauten vorgenommen. Aus den Anbauten der Verwaltung

wurden Wohnungen, Praxen und Büros (natürlich unvermietet). Die Freifläche nutzt ein benachbartes Geschäft als eine Art Straßencafe.


Das Geld reichte aber nicht vorne und keines Falls für hinten. Also hat man neben dem Tafelsilber auch den Goldschmuck verkümmelt. Das Geld reichte halt immer noch nicht. So kam man auf die glorreiche Idee, ein Wahnsinnsgebäude erstellen zu lassen und es zu mieten. Na ja, vielleicht reichte das Tafelsilber und das Gold für die erste Jahresmiete.? Jetzt haben also alle ein schönes Büro und wir die Schulden. Bin gespannt, wann die unsere Hundesteuer erhöhen.
Da die Räumlichkeiten natürlich nicht ausreichten, waren einige Abteilungen ausgelagert worden – oder gleich geblieben wo sie waren.
http://www.qype.com/review/814343

Wauhuuu.
Vielleicht war ja auch nur die Abfindung für die Stadträtin daran schuld.
Wer alles das so angestellt hat? Wir wissen nur wer es nicht war: dem Datz sein Mobbes.

Dieser Beitrag steht seit 27 Juni 2009 bei Qype